Profiling Amerika – Amerikanische Fotografie 1860 – 1960

Das Forum für Fotografie in Köln zeichnet in seiner neuesten Ausstellung 100 Jahren amerikanischer Fotogeschichte. Zu sehen sind ab dem 3. September Fotografien aus der Zeit des Sezessionskrieges, der großen Depression nach der Weltwirtschaftskrise, des Zweiten Weltkrieges sowie der Nachkriegszeit. In der Ausstellung finden sich die Namen bedeutender Fotografen wie Mathew B. Brady, Walker Evans, Alexander Gardner, Margaret Bourke-White, Frances Benjamin Johnston, Dorothea Lange, Ben Shahn, Irving Penn, Arthur Rothstein, W. Eugene Smith, Jacob Riis und Gordon Parks.
Die Ausstellungsmacher stellen die Frage nach dem Selbstbild der Amerikaner. Alle Aufnahmen stammen aus den Beständen der Gesellschaft für Photo Archive e.V.

PROFILING AMERICA. AMERIKANISCHE FOTOGRAFIE 1860–1960
03.09-23.10.2005
Forum für Fotografie
Schönhauser Str. 8
50968 Köln

Bis heute ananlog

Zum 100jährigen Geburtstags des Erfinders der Minox, Walter Zapp, bringt die FAZ einen Artikel. Die Minox zeigt sich von der digitalen Revolution bislang unbeeindruckt, bis heute arbeiten die kleinen Kameras analog.

Die auf Kleinheit und Miniatursierung abgestellte Kamera, auch als „Spionagekamera“ bezeichnet, passt in eine Faust.
1936 lag der Prototyp der „Ur-Minox“ vor. Die Fertigung der 8×11 mm Film-Kamera erfolgte in einer staatlichen Radiofrabrik in Riga. 1941 floh Zapp vor der Russen nach Deutschland und gründetet 1945 mit seinem Partner Jürgens die Minox GmbH in Wetzlar. Von einem Investor ausgebootet konnte Zapp den Erfolg seiner Kamera aber nur noch aus der Ferne beobachten. Im Juli 2003 ist er verstorben.

Hauchdünne Beschichtungen

„Was haben Fotopapier und Wirkstoffpflaster, Entwurmungspräparate für Tiere und papierdünne Fernsehbildschirme gemeinsam?“, fragt das Handelsblatt.

Im Bereich der Schichttechnologie war Agfa führend, und so machen sich nun der ehemalgie Forschungsleiter, der Leiter der Forschungsbetriebe und ein Mitarbeiter aus Controlling und Technik selbstständig, indem sie Ihr Know-how um feinste Beschichtungstechnologien auf andere Anwendungsbereiche übertragen. Ihr Arbeitsplatz bleibt der Bayer Chemiepark und die Agfa-Beschichtungsmaschine wird voraussichtlich auch wieder zum Einsatz kommen.

Die Library of Congress lässt Frauen wählen

Der San Fracisco Chronicle berichtet über eine fotohistorische Ausstellung der Library of Congress zum Thema Frauenwahlrecht. Anlass ist das 85jährige Bestehen des Frauenwahlrechts.

Die 448 Fotos der Ausstellung umfassen eine Zeitraum von 130 Jahren und stellen eine Auswahl aus der Sammlung der National Woman’s Party (insges. 2650 Aufnahmen) dar.

Die online-Ausstellung stellt den Bildbestand zum Thema nicht nur im Web zur Verfügung, sondern liefert ergänzende Essays, eine Porträtgalerie und eine Timeline.

Historische Farbfotografie

Einen Einblick in das Arbeiten mit historischen Farbfotografien gibt der folgende Fund:

Bei der Erstellung von Farbabzügen musste laufend neu mit Filtern korrigiert werden, denn das Colorpapier fiel in der Produktion sehr unterschiedlich aus. Um ein Negativ mit dem Fotopapier einer bestimmten Produktionsmarge korrekt abziehen zu können, musste das Negativ durch Hinzunehmen bestimmter Farbfilter dem Fotopapier gewissermaßen angepasst werden. Dieses Arbeiten setzte sehr viel Erfahrung voraus, so dass mit einem technischen Hilfsmittel, dem Comparator, eine Vereinfachung des Verfahrens erreicht werden sollte.

Wie dieses Vorgehen in der Praxis aussah, zeigt das Buch Agfacolor von Heinz Berger (3. Aufl., Wuppertal 1950).
Dort heisst es (S. 51-52):

„Der Comparator arbeitet nach dem folgenden Prinzip … : Man hat ein Negativ auf Agfacolor-Papier optimal gefiltert, so daß die Gesamtfilterung dieses Negativs für eine bestimmte Emulsions-Nr. Agfacolor-Papier bekannt ist. Diese Filterung schaltet man in einen Strahlengang zu diesem gekannten Agfacolor-Negativ hinzu, so daß man dieses Negativ einschließlich der Filterfarbe vor sich sieht. In einem zweiten Strahlengang desselben Geräts wird nun das unbekannte Negativ, dessen Filterung man bestimmen will, eingeschaltet, gleichzeitig, werden so viele Kopierfilter hinzugeschaltet, daß das neue, unbekannte Negativ für das Auge die gleiche Gesamtfarbe aufweist, wie das bereits bekannte Negativ mit der zu diesem Negativ zugehörigen Filterung. Die so eingeschaltete Filterung wird dann im Kopiergerät für das neue unbekannte Negativ benützt und ergibt in sehr vielen Fällen bei entsprechender Übung sofort die richtig abgestimmte Kopie.“

Beim vorliegenden Gerät, sind die Regler, mit denen die Farben der verschiedenen Filter gemischt werden konnten, gut zu erkennen. In der linken Halterung/ im linken Strahlengang befinden sich die bekannten, für die konkrete Marge Papier schon korrekt ausgefilterten Negative. Rechts davon der Strahlengang für die unbekannten Negative, die auf demselben Papier abgezogen werden sollen.

3D im Web

Animierte Bilder sollen auch im wissenschaftlichen Anwendungen nicht fehlen, so jedenfalls geht der Trend. Dabei wird einiges in die Erstellung von 3D-Modellen investiert. Tatsächlich sind viele Projekte jedoch was die Bildqualität und Navigation anbelangt ziemlich unzulänglich, ganz zu schweigen von dem Problem des Nutzers ohne Rechte auf dem Dienst-PC das nötige Plugin zu installieren.

Aufgrund der nicht unerheblichen Kosten für 3D-Modellen sollten Erkenntinisgewinn und Kostenaufwand einer strengen Prüfung unterzogen werden.

Ein vernünftigen Mittelweg bieten mit Quicktime animierte Modelle, die die Koordinaten eines 3D-Objektes bereites in einen Film umgesetzt haben und damit geringerer Anforderungen an die Hardware des Nutzers stellen.

Daneben bietet die Fotografie einige Möglichkeiten durch bewegbare Bilder einen räumlichen Überblick zu verschaffen. Voraussetzung sind entsprechenden Kameras, bzw. Stitching-Software, mit der sich Bilder zusammen setzen lassen.

Über die Möglichkeiten der Verknüpfung mehrerer Quicktimes über Hotspots informiert schnell und verständlich die Seite der Humboldt-Uni.

Als absolut gelungenes Beispiel für Bildqualität der Blick über Paris (ein Hinweis von Netbib). Auch das zoomen (shift) macht hier richtig Spaß. In einem solchen Fall ist mit einer 360° Fotografie sehr viel mehr anzufangen, als mit einem Modell.

Tausend Zahlen, aber keine Welt

Ein Beitrag in der Welt von Klaus Honnef befasst sich mit dem Übergang von der anaogen zur digitalen Fotografie, der industriellen Herstellung und Wiedergabe von Bildern, sowie der Gefahr des Verlusts eine kollektiven Bildgedächtnisses.

Der revolutionäre Bruch, den die digitale Fotografie für Bildproduktion und Bildarchivierung bedeutet, kann nicht in Abrede gestellt werden. Aus Sicht der Fotoarchivierung möchte ich aber einen Punkt präzisieren: Dass digitale Bildsammlungen mit „unerbitterlicher Zwangsläufigkeit unlesbar“ werden, kann nicht behauptet werden.

Die Art des Informationsverlustes hat sich nur radikal gewandelt. In der Vergangenheit waren es Zeit, Klima und Umwelt, die dem fotografischen Material zusetzten. Heute spielt dagegen zunehmend der Faktor Mensch eine Rolle. Daten gehen nicht verloren, weil Datenträger zerfallen, sondern weil die Informationen nicht gesichert wurden und Menschen es versäumten, dafür Vorkehrungen zu treffen. Dass Daten laufend weiter kopiert werden müssen, ist an sich keine Neuigkeit und die Strategien für digitale Langzeitarchivierung sind durchaus vorhanden, auch wenn dies selbst im Archivbereich viele nicht zur Kenntnis nehmen.

Honnef selbst erwähnt allerdings diesen menschlichen Faktor durchaus: „Nichtgefallen oder Geldmangel“. Letzteres könnte für digitale Bildarchive durchaus eine Gefahr darstellen. Die Frage tauchte auch bei der Tagung „Die Zukunft der Fotografie(n)“ auf: was passiert mit Daten, für deren Langzeitarchivierung niemand mehr aufkommen kann, dürfen sie gelöscht werden?

Zu technischen Strategien der Langzeitarchivierung müsste wohl auch eine langfristige ökonomische Absicherung gehören – die bei vielen Einrichtungen heute eher in Frage gestellt wird. Unter diesem Blickwinkel ist es natürlich problematisch, dass für Digitalisierungskampagnen Sondermittel zur Verfügung gestellt werden, der langfristige Erhalt der Daten dabei aber nicht als feste Größe einbezogen wird. Die Wahrheit ist ja für die Politik auch eher unbequem: Wir brauchen konsolidierte Einrichtungen, kein Fischen nach Projektmitteln.

Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei

Unter dem Titel Dokumentation, Digitalisierung, Kunstgeschichte. Das „Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei“, 1943-1945 veranstaltet das Zentralinstitut für Kunstgeschichte eine Fachtagung zum sog. „Führerauftrag“.

Dokumentation, Digitalisierung, Kunstgeschichte
Das „Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei“, 1943-1945
Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
21.-22. Oktober 2005

Historische Fotografien im Web

Ich habe einer festen Seite eine Auswahl historischer Bildarchive online zusammengestellt, die als Einstiegsseite für Recherchen dienen kann. Kriterium für die Linkliste ist: die Sammlung verfügt über historisches Bildmaterial und bietet zumindest rudimentäre Recherchemöglichkeiten online an.

Kurzes Fazit ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Die amerikanischen Seiten sehen zwar manchmal etwas bürokratisch aus, sind aber stark inhaltsorientiert und erschließen zahlreichen Datenbanken.

Französische Seiten sind chick designed mit zum Teil ganz guten Recherchemöglichkeiten.

Britische Seiten bieten einen guten inhaltlichen Einstieg. Der Nutzer purzelt nicht gleich in das Formular für die Datenbankabfrage, sondern bekommt erst einmal durch kleine Artikel und Übersichten Appetit auf mehr.

Bei musealen Fotosammlungen schaut es eher mager aus. Die größten deutschen Sammlungen bieten lediglich eine summarische Beschreibung ihrer Bestände. Da wäre schon eine alphabetische Künstlerliste ein echter Fortschritt.

Bildarchive und vor allem Bibliotheken sind da ungleich besser positioniert. Dort wird offensichtlich weniger über Webdesign, als über das Erschließen von Inhalten nachgedacht.

XI Biennale Internazionale di Fotografia, Turin

Die Fondazione Italiana per la Fotografia richtet in Turin die XI Biennale Internazionale di Fotografia aus. Die Ausstellung skizziert mit ihren 350 Bilder rund 50 Jahre Geschichte des Fotojournalismus in Italien von der Nachkriegszeit bis zur aktuellen Produktion. Zu sehen sind der Neorealismus der Nachkriegszeit, Paparazzismo und Sozialreportage der 60er Jahre, die Bildberichte aus den Jahren von Terrorismus und Mafia bis hin zum anonymen Agenturbild und den aktuellen neuen Technologien.

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Ankündigung im Fotografie-Forum

Turin
Palazzo Bricherasio
2. September – 2. Oktober 2005

Photographic Exhibitions in Britain 1939-1865

Die Seite Photographic Exhibitions in Britain 1939-1865 wertet die Einträge der zeitgenössischen Ausstellungskataloge aus. Zuerst als Buch 2002 bei der National Gallery of Canada publiziert, sind diese Auswertungen jetzt auch online verfügbar.

Dieser Fundus an Information ist nicht nur für die frühe britsiche Fotogeschichte eine wichtiges Instrument, sondern durch die in britischen Ausstellungen vertretenen ausländischen Fotografen auch ein Hilfsmittel für die europäischen Fotogeschichte.

Die Suchmöglichkeiten beschränken sich nicht allein auf Volltextsuchen. Sehr hilfreich ist es vielmehr komplette Listen sichten zu können, wie Fotografennamen oder Ausstellungen.

Die Seite ist zudem suchmaschinenfreundlich, so dass die Nachweise auch über Google auffindbar sind.

Ich habe mich bei meinen Recherchen auf die frühe Architekturfotografie konzentriert, daraus hier eine kurze Zusammenfassung:

In britischen Ausstellungen vertreten waren natürlich die großen italienischen Architekturfotografen, die mit ihren Fotografien auch die Reisenden der Grand Tour bedienten und so ein Interesse an der britischen Klientel hatten:

Fratelli Alinari, Giacomo Caneva mit seinen Aufnahmen von Rom und Umgebung, Tommaso Cuccioni, Pietro Dovizielli und nicht zu vergessen den vor allem in Oberitalien tätigen Carlo Ponti.

Die Datenbank liefert aber auch weniger bekannte Namen wie die Cimetta, die vor allem mit Aufnahmen aus Venedig präsent waren oder Michele Petagna.

Eine Reihe ausländischer Fotografen hatten sich ebenfalls auf die italienischen Monumente konzentriert, bzw. waren dort ganz ansässig geworden wie James Anderson dessen Nachlass dann im Fotoarchiv der Alinari aufgegangen ist, oder der Franzose Eugene Constant, sein Landsmann Comte Frederick Flacheron mit seinen Romansichten, oder Robert Macpherson, Giovanni [John] Brampton Philpot schließlich Eugene Piot mit seinen Aufnahmen aus Florenz und Pisa.

Neben der dominanten Italienfotografie sind die Architekturaufnahmen von Charles Clifford und Rev. Percy Lousada aus Spanien zu vermerken.

Die frühe französische Architekturfotografie ist mit Aufnahmen von Claude-Marie Ferrier vertreten, der Kontakte zu William Fox Talbot unterhielt, ferner Frédéric Martens mit seinen Aufnahmen aus Frankreich und der Schweiz, Charles Nègre mit Aufnahmen aus Südfrankreich, Edmund Pecquerel, der auch in Rom tätig war, die Fotografen der Mission héliographique Gustave Le Gray und Henri Le Secq, schließlich der in Frankreich tätige Peter Wickens Fry, einer der Entwickler der Ambrotypie.

Zu guter letzt noch ein Überblick über die Orientreisenden: Francis Frith, William Morris Grundy und Robertson & Beato.

Kunst in color – Mario Ronchetti und Scala

Ein lesenswerter Artikel in der Photopresse („Ein Leben für die Kunst“ 31/32-2005) über Mario Ronchetti und das Fotoarchiv Scala verdeutlicht einmal mehr die Probleme von Archiven, die Farbaufnahmen konservieren: die fortschreitende Veränderung der Farbfilme verlangt nach immer aufwändigeren Korrekturen, seinen sie digital oder auch analog. Scala hat seine alte Aufnahmen mittels Farbauszügen und Dye transfer analog dupliziert, bzw. die Bilder digitalisiert und mit Photoshop korrigiert.

Ronchetti – zusammen mit Roberto Longhi der Gründer von Scala – hat sein Leben lang Kunstwerke in Farbe dokumentiert. Das Archivio Scala besitzt damit 150.000 Farbaufnahmen zur Creme de la Creme der italienischen Kunst, schon allein durch die exklusive Stellung als offizieller Dienstleister einer Reihe großer italienischer Museen, hat darüber hinaus aber auch weltweit Kunstwerke dokumentiert.

Scala bedient seit 1953 den Markt von farbig bebilderten Kunstbänden und agiert selbst auch als Verlag.

Dass die Gründung von Scala mit auf Longhi zurückgeht ist kein Zufall. Longhi selbst hat seine kunsthistorischen Forschungen stark auf Fotografien gestützt – auch wenn er zweifelsohne auch ein echter Kenner der Originale war. Longhis eigene fotografische Studiensammlung – heute in der Fondazione Longhi in Florenz – umfasst ca. 60.000 Abzüge zur Malerei des 13. bis 20. Jahrhunderts, die meisten davon schwarz-weiß.