Historische Farbfotografie

Einen Einblick in das Arbeiten mit historischen Farbfotografien gibt der folgende Fund:

Bei der Erstellung von Farbabzügen musste laufend neu mit Filtern korrigiert werden, denn das Colorpapier fiel in der Produktion sehr unterschiedlich aus. Um ein Negativ mit dem Fotopapier einer bestimmten Produktionsmarge korrekt abziehen zu können, musste das Negativ durch Hinzunehmen bestimmter Farbfilter dem Fotopapier gewissermaßen angepasst werden. Dieses Arbeiten setzte sehr viel Erfahrung voraus, so dass mit einem technischen Hilfsmittel, dem Comparator, eine Vereinfachung des Verfahrens erreicht werden sollte.

Wie dieses Vorgehen in der Praxis aussah, zeigt das Buch Agfacolor von Heinz Berger (3. Aufl., Wuppertal 1950).
Dort heisst es (S. 51-52):

„Der Comparator arbeitet nach dem folgenden Prinzip … : Man hat ein Negativ auf Agfacolor-Papier optimal gefiltert, so daß die Gesamtfilterung dieses Negativs für eine bestimmte Emulsions-Nr. Agfacolor-Papier bekannt ist. Diese Filterung schaltet man in einen Strahlengang zu diesem gekannten Agfacolor-Negativ hinzu, so daß man dieses Negativ einschließlich der Filterfarbe vor sich sieht. In einem zweiten Strahlengang desselben Geräts wird nun das unbekannte Negativ, dessen Filterung man bestimmen will, eingeschaltet, gleichzeitig, werden so viele Kopierfilter hinzugeschaltet, daß das neue, unbekannte Negativ für das Auge die gleiche Gesamtfarbe aufweist, wie das bereits bekannte Negativ mit der zu diesem Negativ zugehörigen Filterung. Die so eingeschaltete Filterung wird dann im Kopiergerät für das neue unbekannte Negativ benützt und ergibt in sehr vielen Fällen bei entsprechender Übung sofort die richtig abgestimmte Kopie.“

Beim vorliegenden Gerät, sind die Regler, mit denen die Farben der verschiedenen Filter gemischt werden konnten, gut zu erkennen. In der linken Halterung/ im linken Strahlengang befinden sich die bekannten, für die konkrete Marge Papier schon korrekt ausgefilterten Negative. Rechts davon der Strahlengang für die unbekannten Negative, die auf demselben Papier abgezogen werden sollen.

Tausend Zahlen, aber keine Welt

Ein Beitrag in der Welt von Klaus Honnef befasst sich mit dem Übergang von der anaogen zur digitalen Fotografie, der industriellen Herstellung und Wiedergabe von Bildern, sowie der Gefahr des Verlusts eine kollektiven Bildgedächtnisses.

Der revolutionäre Bruch, den die digitale Fotografie für Bildproduktion und Bildarchivierung bedeutet, kann nicht in Abrede gestellt werden. Aus Sicht der Fotoarchivierung möchte ich aber einen Punkt präzisieren: Dass digitale Bildsammlungen mit „unerbitterlicher Zwangsläufigkeit unlesbar“ werden, kann nicht behauptet werden.

Die Art des Informationsverlustes hat sich nur radikal gewandelt. In der Vergangenheit waren es Zeit, Klima und Umwelt, die dem fotografischen Material zusetzten. Heute spielt dagegen zunehmend der Faktor Mensch eine Rolle. Daten gehen nicht verloren, weil Datenträger zerfallen, sondern weil die Informationen nicht gesichert wurden und Menschen es versäumten, dafür Vorkehrungen zu treffen. Dass Daten laufend weiter kopiert werden müssen, ist an sich keine Neuigkeit und die Strategien für digitale Langzeitarchivierung sind durchaus vorhanden, auch wenn dies selbst im Archivbereich viele nicht zur Kenntnis nehmen.

Honnef selbst erwähnt allerdings diesen menschlichen Faktor durchaus: „Nichtgefallen oder Geldmangel“. Letzteres könnte für digitale Bildarchive durchaus eine Gefahr darstellen. Die Frage tauchte auch bei der Tagung „Die Zukunft der Fotografie(n)“ auf: was passiert mit Daten, für deren Langzeitarchivierung niemand mehr aufkommen kann, dürfen sie gelöscht werden?

Zu technischen Strategien der Langzeitarchivierung müsste wohl auch eine langfristige ökonomische Absicherung gehören – die bei vielen Einrichtungen heute eher in Frage gestellt wird. Unter diesem Blickwinkel ist es natürlich problematisch, dass für Digitalisierungskampagnen Sondermittel zur Verfügung gestellt werden, der langfristige Erhalt der Daten dabei aber nicht als feste Größe einbezogen wird. Die Wahrheit ist ja für die Politik auch eher unbequem: Wir brauchen konsolidierte Einrichtungen, kein Fischen nach Projektmitteln.

RAW als Windows-Standard

Microsoft will in seinem angekündigten Betriebssystem Longhorn auch RAW-Formate unterstützen und arbeitet dazu mit Canon, Nikon und Fuji, sowie dem Softwarhersteller Adobe zusammen. Letzterer hatte mit dem Format DNG versucht, im Tauziehen um das RAW-Format von Bildern einen Standard zu setzen. Einem Standard im Sinne von OPEN RAW, wird man mit der jüngsten Entwicklung vermutlich aber nicht näher kommen.

voller Artikel bei Heise

Emulieren, Migrieren, Normieren

Ein Hinweis aus Demuseum, die Tagung zum Thema Langzeitarchivierung in Archiven, Bibliotheken und Museen. Der Ansatz, dieses Problem für Institutionen unterschiedlichen Charakters anzugehen, ist schon deshalb gewinnbringend, weil sich Langzeitarchivierung allzu häufig nur auf Ausschnitte der tatsächlich vorhandenen Daten erstreckt. Letztendlich sind nicht nur Bildfiles zu archivieren, sondern ebenso die Inhalte von Datenbanken und Textdokumenten.

Workshop des Bibliotheksservice-Zentrums Baden-Württemberg
Württembergisches Landesmuseum Stuttgart
4. Juli 2005
10.30 – 17.00 Uhr

Open-Raw

Über Raw-Formate ist in letzter Zeit häufiger diskutiert worden. Immer mehr Fotografen und Bildarchive beginnen, Raw-Bilder mit in die Langzeitarchivierung zu stecken. Hintergrund: Im Rawformat werden digitale Bilder verlustfrei abgelegt und können dann am Rechner genauer und sorgfältiger nachgearbeitet werden (Schärfen, Weißbableich, Entrauschen). Zudem ist die Entwicklung der Rawkonverter-Software, noch nicht soweit, dass das Maximum an Qualität bereits erreicht wäre. Mit zukünftiger Software wird die Umwandlung in andere Dateiformate qualitativ bessere Ergebnisse erzielen.

Da scheint die jüngste Initiative von Nikon wenig hilfreich, die Nutzer von Nikon-Profikameras auf die eigene Capture-Software festzunageln (an Kritik hat es freilich nicht gefehlt).
Der unabhängige Programmierer Dave Coffin hat zwar das Nikon-Rawformat bereits geknackt, doch mit weiteren Änderungen seitens von Nikon könnte sich das bald wieder erledigt haben (dazu mehr bei Heise).

In der Vergangenheit, hat es bereits so viele undokumentierte Veränderungen an Rawformaten gegeben, dass Initiativen wie Open-Raw nur zu unterstützen sind, gerade aus Sicht der Bildarchive.

Verräterische JPEGs

Ein Artikel bei Heise macht auf Vorschaubilder aufmerksam, die viele Digitalkameras in den EXIF-Headern (Header für technische Daten) der JPGs abgespeichern.

Die Autoren haben dabei festgestellt, dass eine Reihe von Bildern im Web ein Vorschaubild mit sich „herumschleppen“, das vom publizierten Bild abweicht. Empfehlung: die EXIF-Header löschen. Für das Publizieren von Bilder sicherlich ein guter Vorschlag, für zu archivierende Bilder aber natürlich weniger günstig. Für die Langzeitarchivierung digitaler Bilder liefern EXIF-Header bewahrenswerte Informationen, mitgeschleppte Vorschaubilder machen dagegen keinen Sinn.

Heise Artikel

Die Digitalisierung historischer Fotomaterialien: Glasplatten

Es gibt für Digitalisierungsprojekte eine Reihe von Best Practice Guides für die Planung der technischen Rahmenbedingungen. Konservatorische Fragen stehen dabei meist nicht oben an, deshalb die folgenden Resourcen im Web, die restauratorische und konservatorische Probleme von Glasplatten behandeln.

Eine grundlegende Untersuchung zu Aussilberungen bei Glasplatten ist die Dissertation von Giovanna di Pietro
SILVER MIRRORING ON SILVER GELATIN GLASS NEGATIVES (auch in einer weiteren Kopie)

Die Reinigung von Glasplatten sollte in den allermeisten Fällen von Fachleuten erfolgen. Einige Leitlinien finden Sie hier:
UMCA Technical Leaflet, Cleaning Glass Plate Negatives

Bei der Digitalisierung sind Glasplatten Licht und Wärme ausgesetzt. Auf mögliche Gefahren weisen die SEPIA-Empfehlungen hin:
Preservation issues in digitizing historical photographs

Als Einführung in konservatorische Fragen der Fotografie:
Susie Clarke und Franziska Frey: Care of Photographs

Weiterführende Literatur, vor allem Fachaufsätze über die Konservierung von Glaplatten finden sich auf der Photolit-Website

Digitalisieren von Glasnegativen

Sind Licht und Wärme des Scanners für Glasplatten schädlich?

Glasnegative werden fachgerecht kühl und dunkel gelagert. Grundsätzlich sollte man ihnen etwas Zeit zum Akklimatisieren geben, wenn sie aus dem Magazin kommen. Licht und Wärme des Scanners wirken nur relativ kurzfristig auf das Negativ, die Platten sollten aber nicht mit der Temperatur des Magazins auf den Scanner kommen.

Welche verschiedenen technischen Möglichkeiten für die Digitalisierung gibt es?

Flachbett- oder Filmscanner haben jeweils ihre Vor- und Nachteile. Der Einsatz der Hardware, sollte zu den Anforderungen des Projekts passen.

Filmscanner liefern Schablonen nur für bestimmte Formate mit, Glasplatten sind aber was Größe und Dicke angeht, höchst unterschiedlich. Das führt in der Regel zu schlechten Ergebnissen oder Problemen.

Flachbettscanner haben den Vorteil, dass auch unterschiedliche und variirende Negativformate gut verarbeitet werden können. In der Regel geht es aber auch hier nicht ohne Schablonen, dies schon, weil das Negativ sonst vom Licht der übrigen Fläche „überstrahlt“ wird.

Glasnegative neigen oft zu Aussilberungen, so dass der Scanner durch die Reflexionen irritiert wird. Wenn sich diese Probleme nicht über die manuellen Einstellungen in der Scansoftware abfangen lassen bietet ggf. die Digitalisierung mit Hilfe einer Kamera eine Alternative.

Ich entwickle und teste zur Zeit, zusammen mit einem Fotografen, einen Aufbau auf Basis einer Digitalkamera mit Reprotisch und Durchlichtfläche. Hierbei sind aufgrund der jüngsten Kameraentwicklungen so hohe Auflösungen möglich, dass die Digitalisate auch als Sicherung genügen. Durch den Aufbau sollten die meisten Probleme von Flachbettscannern und Diascannern umgangen werden können. Von nicht unerheblicher Bedeutung dürfte auch sein, dass mit einer Digitalkamera die Produktivität sehr viel besser sein wird. In den meisten Projekten erweisen sich Scanner als echtes Nadelöhr.

Sofern Interesse besteht, kann ich gerne über den Fortgang und meine Erfahrungen berichten.

Bilder im Web

Digitale Bildsammlungen sind kein Ersatz für analoge Fotografie, aber sie erleichtern den Zugang zu Material, dass sonst nur Forschenden und Experten vorbehalten bliebe.

Fotografie besteht nicht losgelöst vom Material. Sie hat jedoch häufigdie Eigenschaft in mehr als einem Abzug zu existieren. Die Frage nach Original und Kopie ist also ein Dauerproblem der Fotografie. Eine Möglichkeit, die Frage nach dem Original zu beantworten, ist die nur dem eigenhändigen, in zeitlicher Nähe entstandenen Abzug den Rang eines „Vintage“ einzuräumen.

Doch gibt es auch die Fotografie nach dem Vintage. Wenn die Inhalte von Fotografie in den Vordergrund treten wird die Frage „Ist ein digitales Bild noch eine Fotografie?“ zweitrangig. Dann hat das Bild in seiner digitalen Form die Möglichkeit, seine eigenen Potentiale zu entfalten, denn digitales Bilder sind in ihrern Verwendungsmöglichkeiten sehr viel vielseitiger.

Werkzeuge wie Diglib tragen schon jetzt dazu bei, dass sich für das wissenschaftliche Arbeiten mit digitalen Bildern neue Möglichkeiten und Formen entwickeln werden, in dem Maße wie Bildsammlungen zu echten Resourcen im Web werden.