Society: zwei Ausstellungen – zwei Fotonachlässe

In zwei Ausstellung werden in Kürze Werke aus zwei bedeutenden Fotonachlässen zu sehen sein:

Der Nachlass Erich Salomons, dem herausragenden Bildjournalisten der Weimarer Republik, liegt im Wesentlichen bei der Berlinischen Galerie (Erich-Salomon-Archiv, ca. 10.000 Fotos), nachdem sein ältester Sohn sich bemüht hatte, das in der Zeit des Nationalsozialismus verstreute Archiv, wieder zusammen zu führen.

Der Nachlass der Münchner Modefotografin Regina Relang liegt beim Münchner Stadtmuseum und Modemuseum (20.000 Abzüge, sowie 80.000 Negative). Relang arbeitete seit 1937 für Vogue und machte sich einen Namen als Modefotografin, lange bevor die Modefotografie als künstlerische Ausdrucksform gewürdigt wurde.

Erich Salomon
29.04.-24.07.2005
Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur
Im Mediapark – Köln
Katalog:
Frecot, Janos (Hg.): Erich Salomon “Mit Frack und Linse durch Politik und Gesellschaft”, Photographien 1928 – 1938.

Die elegante Welt der Regina Relang
11.05.-07.08.2005
Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum
Katalog bei Hatje/Cantz

Fotografien zum Kriegsende in westfälischen Archiven

Bei meinen neuerlichen Recherchen für ein Ausstellungsprojekt zum Jahr 1945 hatte ich Gelegenheit eine ganze Reihe westfälischer Archive zu besuchen, um die dort vorhandenen Bildbestände zu sichten.

Vorweg gesagt: Die finanziellen und logistischen Ausstattung ist von Einrichtung zu Einrichtung äußerst unterschiedlich. Es gibt sehr ordentlich ausgestattete Archive, die sich klar als Service-Einrichtungen definieren (Minden und Lippstadt), aber eben auch 1-Mann-Betriebe, die – personell durchaus professionell betreut – technisch so mangelhaft ausgestattet sind, dass sie nicht einmal über ein CD-Rom-Laufwerk verfügen.

Was die Recherchemöglichkeiten anbelangt, so zeigt sich – sicherlich auch aufgrund der oben geschilderten Lage – dass die Instrumentarien in beinahe jedem Archiv andere sind. Kleine Häuser mit entsprechend wenig Bildmaterial haben häufig nur eine einfache thematische Klassifikation, nach der die Fotos aufgestellt sind und in der ohne weitere Findmittel recherchiert werden kann.
Größere Bildsammlungen – hier ist zuerst an das Stadtarchiv Soest zu denken – haben die einzelnen Bilder auf Karteikarten verzeichnet und diese einer recht detaillierten Klassifikation entsprechend aufgestellt. Das Soester Archiv ist nicht nur wegen seiner sehr umfänglichen Bildbestände hervorzuheben, sondern auch weil die Klassifikation der Karteikarten es dem Benutzer erlaubt, sich in weiten Strecken unabhängig von der Hilfestellung durch die Mitarbeiter des Archivs durch den Bildbestand zu bewegen.

Daneben wird bereits auch EDV-gestützt katalogisiert, doch sind die Datenbanken bislang noch nicht an dem Entwicklungspunkt, dass man Benutzer damit allein arbeiten lässt.

In kommunalen Archiven mit ihren ganz heterogenen Beständen – den Aufnahmen der privaten Knipser wie denen der lokalen Fachfotografen – werden Fotografien meist nicht als Fotografien betrachtet, sondern als Dokumente zur Stadtgeschichte. Das hat häufig zur Folge, dass der Urheber einer Aufnahme oder die Frage, ob man es mit einem Originalabzug oder einem Repro handelt, nicht dokumentiert sind. In zwei Fällen hat sich erst nach weiteren Recherchen herausgestellt, dass das Foto kein Foto, sondern ein Filmstill war…

Möglicherweise haben die Ansprüche an eine solche Dokumentation zum Bild zugenommen. Am Ende ist es jedoch auch eine Frage der Zuverlässigkeit und Aussagekraft historischer Quellen.

Zum Jahr 1945 gibt es in den Archiven viel interessantes Material zu entdecken. In lokalgeschichtlichen Publikationen wurden diese Bestände in der Regel schon ausgewertet, fotohistorische Untersuchungen stehen für viele Archive aber noch aus.

Ein Kuriosum zum Thema Bildrechte

Eine Nachricht aus dem Fotoblog von Francis Vachon: Wal-Mart glaubt nicht, dass seine Kunden richtig fotografieren können.

Einer Kundin, die ihre Abzüge bei Wal-Mart machen ließ, wurden diese vorenthalten, weil sie angeblich nicht von ihr stammen könnten. Bezahlen sollte sie sie aber doch. Ob Wal-Mart festgestellt hat, dass mit Rechteverwertung mehr Geld zu machen ist, als mit Dienstleistung??
zum Weblog

Historische Karten – Unibibliothek Amsterdam

Die Kartensammlung der Universitätsbibliothek von Amsterdam besticht durch die Qualität der digitalisierten Karten. Allerdings funktioniert die Navigation innerhalb einer Karte nicht sehr präzise und die Ladzeiten erfordern schon etwas Geduld.

Allen die sich für historische Karten im Web interessieren, möchte ich deshalb den Bildserver Diglilb empfehlen, der eben Präzision und Schnelligkeit liefert.
Ein Fresko Giottos im Vierungsgewölbe der Unterkirche von Assisi kann praktisch schon mit einer guten Gesamtansich so navigiert werden, dass alle gewünschten Ausschnitte aufgerufen werden können. Das funktioniert über den Button „zoom area“, der den Mauszeiger zum Werkzeug macht und mit dem der gewünschte Ausschnitt dann „gezogen“ werden kann.

Digilib läuft einfach deshalb so schnell, weil an den Nutzer immer nur die tatsächlich benötigten Bilddaten geschickt werden, d.h. alle Gesamtansichten oder Ausschnitte werden on-the-fly als PNG aus dem 20 MB großen TIFF berechnet.

Das ganze beruht auf festen URLs, ist also als Resource zitierfähig, solange die Domain stabil bleibt. Referenziert wird in Digilb über den Button „reference“, der die entsprechende URL liefert, und das alles Open Source.

Einzige Macke: Digilib funktioniert in der von uns verwendeten Version mit Firefox und Microsoft IE, aber nicht mit Safari, aber das gilt auch für das oben genannte Angebot.

Digicams, Software und Infos

Am 4. April kommt das Heft c’t Spezial „Digitale Fotografie“ in den Handel.
Neben Information und Kameratestes gibt es ein umfangreiches Softwarepaket auf der beigelegten CD-Rom mit Programmen zur Bildbearbeitung, Publishing, Converter, Bildverwaltung und Bildbetrachter.

mehr bei Heise

Schweizerische Fotografie auf dem Lande

Ein Schweizer Fotograf, auf dessen Bildsammlung ich hier aufmerksam machen möchte: Ernst Brunner (1901-1979).
Die Sammlung befindet sich heute beim Schweizerischen Institut für Volkskunde. Die Aufnahmen sind jedoch nicht nur volkskundlich, sondern auch fotografisch sehr interessante Arbeiten. Ich bin im Rahmen meiner Arbeit zu Iganz Böckenhoff auf diesen Fotografen aufmerksam geworden.
Brunner war in den 30er Jahren über die Inventarisierung historischer Denkmäler und als Amateur zum Beruf des Bildreporters gekommen.
Lit. Peter Pfrunder: Ernst Brunner, Photographien 1937-1962, Zürich 1998.

Virtuelle Museen der Fotografie

Der Artikel von Erkki Hutamo, Rundbrief Fotografie, 12, 2005, H. 1, S. 20-24 über „Virtuelle Museen der Fotografie“ wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Nicht nur, dass generell und allgemein über virtuelle Museen räsoniert wird und letztendlich die Museen der Fotografie aus dem Blick geraten. Bedauerlicher noch, dass nicht eine einzige Internetpräsenz genannt wird. Warum so viel Theorie, fragt sich der Leser, als ob das das virtuelle Museum noch erfunden werden müsste.

Dabei gibt es sie sehr wohl, und zumindest einige Beispiele wären gut gewesen, auch um zu klären, wo wir uns momentan befinden. Dies wäre eine zugegebenermaßen willkürliche Auswahl:

Lebendiges virtuelles Museum Online

The American Museum of Photography

Das Museum of Modern Art

Das Musée de la photographie de Charleroi

MuVi – Museo Virtuale della memoria collettiva di una regione: la Lombardia

UCR / California Museum of Photography

Vielleicht eine noch provozierendere Frage: Wird das virtuelle Museum der Zukunft ein Privileg der etablierten Kultureinrichtungen bleiben oder müssen wir nicht auch das Web als Museum akzeptieren? Auch wenn hier nicht der „Qualitätsfilter“ der großen öffentlichen Einrichtungen greift: die Fotoblogger machen es uns vor.

The New York Public Library Online

Einige interessante Fotosammlungen der New York Public Library, auf die ich aufmerksam machen möchte. Die in verschiedene Abteilungen der Bibliothek befindlichen Einzelsammlungen sind bedeutende Dokumente der Geschichte New Yorks und Nordamerikas. Sie spiegeln aber auch die Geschichte und Herkunft der verschiedenen Zuwanderer.

Fotodokumentationen zum alten New York

Photographic views of New York City, 1870’s-1970’s

Album of photographs depicting the construction of the Broadway line, New York City Subway
(General Research Division)

Album de la construction de la Statue de la Liberté
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Changing New York / Berenice Abbott (1935-1939, printed 1935-ca. 1990)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Photographs of the Empire State Building under construction. / L. W. Hine (1931)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Portraits of immigrants at Ellis Island, New York. / L. W. Hine (1904-1926)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Street views of New York City. / Alice Austen (1896)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Nordamerika

Mammoth prints of Colorado and Wyoming / W.H. Jackson (1875?-1885?)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Yosemite views. / C.E. Watkins (1861-1866)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Photographs concerning labor, housing and social conditions in the United States. / L. W. Hine
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Series of photographic documents of social conditions, 1905-1939 / L. W. Hine
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Farm Security Administration Collection
(Photographs and Prints Division)
Zum FSA-Projekt besitzt die Library of Congress weitere Bestände.

Porträts der Indianer Nordamerikas

Indian studies : photographs by Karl Moon, Grand Canyon, Arizona (Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Photographs of American Indians. / F.A. Rinehart (c1898)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Photographs of American Indians. / Frederic Allen Williams (1925-1939)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Reisealben und Dokumentationen aus dem nahen und mittleren Ostens

Bilder aus Mekka / C. Snouck Hurgronje
(Asian and Middle Eastern Division)

Jérusalem : étude et reproduction photographique des monuments de la Ville Sainte, depuis l’époque judaïque jusqu’à nos …
(Dorot Jewish Division)

Assortment of photographs of Palestine and Jerusalem
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Collection of views of Egypt, including Cairo and the pyramids / G. Lekegian & Cie
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Egypt : a collection of photographs taken at Cairo, Karnak, Luxor, Philae and other places
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Lower Egypt, Thebes and the Pyramids. / F. Frith  (1862?)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Palestine and Egypt, March 1894 (1894)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Photographs and prints of Egypt and Syria  (1860s-1920s)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Sinai and Palestine. / Francis Frith (1862?)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Views of Egypt, Palestine and Syria. / Bonfils (1867?-1871?)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Japan

Album of photographs of Japan  (189-?)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Album of photographs of Japan (187-?-188-?)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Japan. / Kimbei Kusakabe.
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Labor in Japan. Report by Consul-General Van Buren, on the Topography, Soil, Climate, Laws, Religion, Government, Education, the Prices of Labor, Living, & C., of Japan (1880?)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Photographs of Japan (189-? – 190-?)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Photographs of Japan
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Views of Japan
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Views of Japan (187-)
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

weitere Reisealben

Album of photographs of Burma, India and Egypt
(Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Album of photographs of Pakistan, Egypt, and European locations (Photography Collection, Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs)

Russland und die Baltischen Staaten (alle Slavic and Baltic Division)

Al’bom fotograficheskikh snimkov s tserkovnoi arkhitektury v Iaroslavskoi gubernii i s kniazhikh Teremov v Rostove (Iaroslavskoi gubernii) (1883-84?)

Albom Georgievskago Balaklavskago monastyria v Krymu  (1900?)

Album of photographs of landscapes around Lankorona-Izdebnik presented to the Archduke of Austria, Rainer (1827-1913) on January 11, 1897] (1906)

Aleksandro-Nevskaia lavra v S.-Peterburge. Fotograficheskii al’bom. n.p., 1874 (1874)

Poland in photographs, 1939-1944
besonders:
1939-1944 – German occupation
Eine zweifellos sehr bedrückende Dokumentation der deutschen Gräueltaten in Polen während des zweiten Weltkriegs.

Sevastopol v 1855-1856 g. : 25 fototipicheskikh snimkov s riedkago fotograficheskago alboma (1893)

Soviet Russia in its early years : A collection of photographs presented to the New York Public Library (1923)

Weitere Themenbereiche

Gertrude Stein, part of a life in pictures
(Henry W. and Albert A. Berg Collection of English and American Literature)

Photographs of British algae: cyanotype impressions
(Spencer Collection)

Verräterische JPEGs

Ein Artikel bei Heise macht auf Vorschaubilder aufmerksam, die viele Digitalkameras in den EXIF-Headern (Header für technische Daten) der JPGs abgespeichern.

Die Autoren haben dabei festgestellt, dass eine Reihe von Bildern im Web ein Vorschaubild mit sich „herumschleppen“, das vom publizierten Bild abweicht. Empfehlung: die EXIF-Header löschen. Für das Publizieren von Bilder sicherlich ein guter Vorschlag, für zu archivierende Bilder aber natürlich weniger günstig. Für die Langzeitarchivierung digitaler Bilder liefern EXIF-Header bewahrenswerte Informationen, mitgeschleppte Vorschaubilder machen dagegen keinen Sinn.

Heise Artikel

Archiv der Gegenwart

Die „3. Triennale der Photographie“ in Hamburg steht dieses Jahr unter dem Motto „Archiv der Gegenwart“
Das Archiv als Ort der Erinnerung, der Recherche und der Kulturtheorie gerät zusehends in eine Auseinandersetzung mit dem Internet als größtem aller Datenspeicher. Die Triennale fragt deshalb nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Archivbegriffs. Begleitend gibt es verschiedene Veranstaltungen, Symposien und Vorträge.

interessante Termine:

14. April 2005: Eröffnung im Internationalen Haus der Photographie

13.-17. April 2005: Picta, Messe deutscher Bildagenturen, Nördliche Deichtorhallen (nur für Fachbesucher)

22.-23. April 2005: Symposium, „Think while you shoot. Martin Munkacsi und der moderne Bildjournalismus“, Internationales Haus der Photographie

29.-30. April 2005: Symposium „Archiv der Gegenwart“, Internationales Haus der Photographie

Für Freunde historischer Architekturfotografie sei besonders auf zwei Ausstellungen hingewiesen:

Hamburg in alten Fotografien
Helms-Museum
17. April – 14. September 2005

„Das Land der Griechen mit der Seele suchen“
Fotografien aus den Jahren zwischen 1850-1865
Jenisch Haus
30. Januar – 15. Mai 2005

weitere Infos unter:
www.phototriennale.de

Die Digitalisierung historischer Fotomaterialien: Glasplatten

Es gibt für Digitalisierungsprojekte eine Reihe von Best Practice Guides für die Planung der technischen Rahmenbedingungen. Konservatorische Fragen stehen dabei meist nicht oben an, deshalb die folgenden Resourcen im Web, die restauratorische und konservatorische Probleme von Glasplatten behandeln.

Eine grundlegende Untersuchung zu Aussilberungen bei Glasplatten ist die Dissertation von Giovanna di Pietro
SILVER MIRRORING ON SILVER GELATIN GLASS NEGATIVES (auch in einer weiteren Kopie)

Die Reinigung von Glasplatten sollte in den allermeisten Fällen von Fachleuten erfolgen. Einige Leitlinien finden Sie hier:
UMCA Technical Leaflet, Cleaning Glass Plate Negatives

Bei der Digitalisierung sind Glasplatten Licht und Wärme ausgesetzt. Auf mögliche Gefahren weisen die SEPIA-Empfehlungen hin:
Preservation issues in digitizing historical photographs

Als Einführung in konservatorische Fragen der Fotografie:
Susie Clarke und Franziska Frey: Care of Photographs

Weiterführende Literatur, vor allem Fachaufsätze über die Konservierung von Glaplatten finden sich auf der Photolit-Website

„Die Zukunft der Fotografie(n)“

Jahresrückblick: Die Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Photographie mit dem Titel „Die Zukunft der Fotografie(n)“ war sowohl technischen als auch fotohistorischen Fragestellungen gewidmet, wobei sich das Thema der digitalen Konservierung und Archivierung von Bildern stark in der Vordergrund drängte. Dies hatte weniger mit den Vorlieben der Veranstalter zu tun, als mit der Frage der Archivierung digitaler Daten, die sich für die Archive in geradezu dramatischer Weise stellt.

Ein Archivar bemerkte: „Wir haben für unsere Stadt eine kontinuierliche bildliche Überlieferung, bis zur Einführung der digitalen Fotografie.“ Das Fehlen von Konzepten für die Übernahme und das Handling digitaler Sammlungen wurde von Seiten der Archive allseits beklagt. Dagegen kam bei der Podiumsdiskussion am ersten Abend der richtige Einwand: „Die technischen Möglichkeiten sind da, man muss Sie nur anwenden.“

Warum die Einrichtung digitaler Archive in der Praxis so viele Probleme bereitet, hat sehr verschiedenen Ursachen. Die magere finanzielle Situation ist sicherlich ein Grund, auch die eher auf die Bedürfnisse der Verwaltungen abgestellten Strukturen der EDV-Abteilungen, für die offene Dateiformate zum Zwecke der Langzeitarchivierung vermutlich eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Beim weiteren Recherchieren verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass die Frage der Langzeitarchivierung digitaler Daten auf Seiten der Archive vielfach auf einem unzureichenden Niveau diskutiert wird: Daten gehören nicht auf CDs oder DVDs, Sicherheit und Lesbarkeit sind nur durch ständiges Migrieren und Kopieren zu lösen. Also: Server/ RAID-Arrays kaufen und die Daten möglichst schnell aus proprietären Formaten konvertieren. Jedenfalls hat die Tagung gezeigt, dass das Know-how derzeit recht ungleich verteilt ist.

Besprechungen der Tagung:

http://www.taz.de/pt/2004/11/02/a0296.nf/text.ges,1


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/1102/feuilleton/0004/index.html

Digitalisieren von Glasnegativen

Sind Licht und Wärme des Scanners für Glasplatten schädlich?

Glasnegative werden fachgerecht kühl und dunkel gelagert. Grundsätzlich sollte man ihnen etwas Zeit zum Akklimatisieren geben, wenn sie aus dem Magazin kommen. Licht und Wärme des Scanners wirken nur relativ kurzfristig auf das Negativ, die Platten sollten aber nicht mit der Temperatur des Magazins auf den Scanner kommen.

Welche verschiedenen technischen Möglichkeiten für die Digitalisierung gibt es?

Flachbett- oder Filmscanner haben jeweils ihre Vor- und Nachteile. Der Einsatz der Hardware, sollte zu den Anforderungen des Projekts passen.

Filmscanner liefern Schablonen nur für bestimmte Formate mit, Glasplatten sind aber was Größe und Dicke angeht, höchst unterschiedlich. Das führt in der Regel zu schlechten Ergebnissen oder Problemen.

Flachbettscanner haben den Vorteil, dass auch unterschiedliche und variirende Negativformate gut verarbeitet werden können. In der Regel geht es aber auch hier nicht ohne Schablonen, dies schon, weil das Negativ sonst vom Licht der übrigen Fläche „überstrahlt“ wird.

Glasnegative neigen oft zu Aussilberungen, so dass der Scanner durch die Reflexionen irritiert wird. Wenn sich diese Probleme nicht über die manuellen Einstellungen in der Scansoftware abfangen lassen bietet ggf. die Digitalisierung mit Hilfe einer Kamera eine Alternative.

Ich entwickle und teste zur Zeit, zusammen mit einem Fotografen, einen Aufbau auf Basis einer Digitalkamera mit Reprotisch und Durchlichtfläche. Hierbei sind aufgrund der jüngsten Kameraentwicklungen so hohe Auflösungen möglich, dass die Digitalisate auch als Sicherung genügen. Durch den Aufbau sollten die meisten Probleme von Flachbettscannern und Diascannern umgangen werden können. Von nicht unerheblicher Bedeutung dürfte auch sein, dass mit einer Digitalkamera die Produktivität sehr viel besser sein wird. In den meisten Projekten erweisen sich Scanner als echtes Nadelöhr.

Sofern Interesse besteht, kann ich gerne über den Fortgang und meine Erfahrungen berichten.

Warum Open Source?

Die Frage „Open Source oder nicht?“ sollte keinesfalls unter „ideologischen“ Vorzeichen diskutiert werden. Hier geht es nicht um Lizenzkosten – diese verusachen meist nicht einmal 20% der Kosten in IT-Projekten. Die Überlegungen sollten vielmehr in den Andorderungen des Projekts selbst wurzeln, d.h. am Anfang steht die Analyse der nötigen Funktionalitäten und Eigenschaften, die eine Software mitbringen sollte. Ist eine kommerzielle Software vorhanden, die dem geforderten Profil entspricht, wird die Wahl dieses Produkts die naheliegende Entscheidung sein.

Ist jedoch keine geeignete Software auf dem Markt, muss in eine Neuentwicklung oder Weiterentwicklung bestehender Systeme investiert werden. In einem solchen Fall ist Open Source eine ernsthafte Alternative, umso mehr im Bereich von Kulturprojekten der öffentlichen Hand, denn hier kann es nichtdarum gehen, sich einen „Marktvorteil“ zu verschaffen, sondern Resourcen optimal zu nutzen.
Die Nachnutzung bereits bestehender Open Source Lösungen bietet die Chance, sich bei einer Entwicklung auf die Anpassung bestehender Systeme an die eigenen, spezifischen Bedürfnisse zu konzentrieren.

weitere Links zum Thema:

Open Source bei der NASA: Nachricht bei Heise

Bilder im Web

Digitale Bildsammlungen sind kein Ersatz für analoge Fotografie, aber sie erleichtern den Zugang zu Material, dass sonst nur Forschenden und Experten vorbehalten bliebe.

Fotografie besteht nicht losgelöst vom Material. Sie hat jedoch häufigdie Eigenschaft in mehr als einem Abzug zu existieren. Die Frage nach Original und Kopie ist also ein Dauerproblem der Fotografie. Eine Möglichkeit, die Frage nach dem Original zu beantworten, ist die nur dem eigenhändigen, in zeitlicher Nähe entstandenen Abzug den Rang eines „Vintage“ einzuräumen.

Doch gibt es auch die Fotografie nach dem Vintage. Wenn die Inhalte von Fotografie in den Vordergrund treten wird die Frage „Ist ein digitales Bild noch eine Fotografie?“ zweitrangig. Dann hat das Bild in seiner digitalen Form die Möglichkeit, seine eigenen Potentiale zu entfalten, denn digitales Bilder sind in ihrern Verwendungsmöglichkeiten sehr viel vielseitiger.

Werkzeuge wie Diglib tragen schon jetzt dazu bei, dass sich für das wissenschaftliche Arbeiten mit digitalen Bildern neue Möglichkeiten und Formen entwickeln werden, in dem Maße wie Bildsammlungen zu echten Resourcen im Web werden.

Website: Digitale Photothek des Kunsthistorischen Instituts Florenz

Auftraggeber: Kunsthistorisches Institut in Florenz, MPI

Die analoge Studiensammlung des KHI umfasst über 500.000 Aufnahmen, vor allem zur Kunst Ober- und Mittelitaliens. Diese außergewöhnliche dichte Dokumentation ergänzt als Arbeitsinstrument der kunsthistorischen Forschung die Bibliothek des Instituts.

Die digitale Photothek des KHI umfasst wichtige historische Bestände zur italienischen Kunst, wie die Aufnahmen von Andrea Gaspare De Giovanni der Fresken von San Francesco in Assisi, oder die Kampagnen von Hilde Bauer-Lotz zur Florentiner Architektur und Stadttopografie vor dem Zweiten Weltkrieg.

In einem zweijährigen DFGgeförderten Projekt wurden 20.000 Negative in hoher Auflösung digitalisiert und stehen der Forschung mit Abschluss des Projekts als Resourcen zur Verfügung.

Technischer Rahmen:
Zugrundeliegende Dokumentation in Hida-Midas
Zope/Plone-basiertes CMS
Importschnittstelle zu einer objektorientierten Datenbank (Zope Object Database – ZODB)
Bildserver Digilib für das wissenschaftliche Arbeiten mit Bildern

Projektleitung: Ruth Goebel
Architektur und Umsetzung: Fafalter GmbH, Düsseldorf