Verräterische JPEGs

Ein Artikel bei Heise macht auf Vorschaubilder aufmerksam, die viele Digitalkameras in den EXIF-Headern (Header für technische Daten) der JPGs abgespeichern.

Die Autoren haben dabei festgestellt, dass eine Reihe von Bildern im Web ein Vorschaubild mit sich „herumschleppen“, das vom publizierten Bild abweicht. Empfehlung: die EXIF-Header löschen. Für das Publizieren von Bilder sicherlich ein guter Vorschlag, für zu archivierende Bilder aber natürlich weniger günstig. Für die Langzeitarchivierung digitaler Bilder liefern EXIF-Header bewahrenswerte Informationen, mitgeschleppte Vorschaubilder machen dagegen keinen Sinn.

Heise Artikel

Archiv der Gegenwart

Die „3. Triennale der Photographie“ in Hamburg steht dieses Jahr unter dem Motto „Archiv der Gegenwart“
Das Archiv als Ort der Erinnerung, der Recherche und der Kulturtheorie gerät zusehends in eine Auseinandersetzung mit dem Internet als größtem aller Datenspeicher. Die Triennale fragt deshalb nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Archivbegriffs. Begleitend gibt es verschiedene Veranstaltungen, Symposien und Vorträge.

interessante Termine:

14. April 2005: Eröffnung im Internationalen Haus der Photographie

13.-17. April 2005: Picta, Messe deutscher Bildagenturen, Nördliche Deichtorhallen (nur für Fachbesucher)

22.-23. April 2005: Symposium, „Think while you shoot. Martin Munkacsi und der moderne Bildjournalismus“, Internationales Haus der Photographie

29.-30. April 2005: Symposium „Archiv der Gegenwart“, Internationales Haus der Photographie

Für Freunde historischer Architekturfotografie sei besonders auf zwei Ausstellungen hingewiesen:

Hamburg in alten Fotografien
Helms-Museum
17. April – 14. September 2005

„Das Land der Griechen mit der Seele suchen“
Fotografien aus den Jahren zwischen 1850-1865
Jenisch Haus
30. Januar – 15. Mai 2005

weitere Infos unter:
www.phototriennale.de

Die Digitalisierung historischer Fotomaterialien: Glasplatten

Es gibt für Digitalisierungsprojekte eine Reihe von Best Practice Guides für die Planung der technischen Rahmenbedingungen. Konservatorische Fragen stehen dabei meist nicht oben an, deshalb die folgenden Resourcen im Web, die restauratorische und konservatorische Probleme von Glasplatten behandeln.

Eine grundlegende Untersuchung zu Aussilberungen bei Glasplatten ist die Dissertation von Giovanna di Pietro
SILVER MIRRORING ON SILVER GELATIN GLASS NEGATIVES (auch in einer weiteren Kopie)

Die Reinigung von Glasplatten sollte in den allermeisten Fällen von Fachleuten erfolgen. Einige Leitlinien finden Sie hier:
UMCA Technical Leaflet, Cleaning Glass Plate Negatives

Bei der Digitalisierung sind Glasplatten Licht und Wärme ausgesetzt. Auf mögliche Gefahren weisen die SEPIA-Empfehlungen hin:
Preservation issues in digitizing historical photographs

Als Einführung in konservatorische Fragen der Fotografie:
Susie Clarke und Franziska Frey: Care of Photographs

Weiterführende Literatur, vor allem Fachaufsätze über die Konservierung von Glaplatten finden sich auf der Photolit-Website

„Die Zukunft der Fotografie(n)“

Jahresrückblick: Die Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Photographie mit dem Titel „Die Zukunft der Fotografie(n)“ war sowohl technischen als auch fotohistorischen Fragestellungen gewidmet, wobei sich das Thema der digitalen Konservierung und Archivierung von Bildern stark in der Vordergrund drängte. Dies hatte weniger mit den Vorlieben der Veranstalter zu tun, als mit der Frage der Archivierung digitaler Daten, die sich für die Archive in geradezu dramatischer Weise stellt.

Ein Archivar bemerkte: „Wir haben für unsere Stadt eine kontinuierliche bildliche Überlieferung, bis zur Einführung der digitalen Fotografie.“ Das Fehlen von Konzepten für die Übernahme und das Handling digitaler Sammlungen wurde von Seiten der Archive allseits beklagt. Dagegen kam bei der Podiumsdiskussion am ersten Abend der richtige Einwand: „Die technischen Möglichkeiten sind da, man muss Sie nur anwenden.“

Warum die Einrichtung digitaler Archive in der Praxis so viele Probleme bereitet, hat sehr verschiedenen Ursachen. Die magere finanzielle Situation ist sicherlich ein Grund, auch die eher auf die Bedürfnisse der Verwaltungen abgestellten Strukturen der EDV-Abteilungen, für die offene Dateiformate zum Zwecke der Langzeitarchivierung vermutlich eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Beim weiteren Recherchieren verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass die Frage der Langzeitarchivierung digitaler Daten auf Seiten der Archive vielfach auf einem unzureichenden Niveau diskutiert wird: Daten gehören nicht auf CDs oder DVDs, Sicherheit und Lesbarkeit sind nur durch ständiges Migrieren und Kopieren zu lösen. Also: Server/ RAID-Arrays kaufen und die Daten möglichst schnell aus proprietären Formaten konvertieren. Jedenfalls hat die Tagung gezeigt, dass das Know-how derzeit recht ungleich verteilt ist.

Besprechungen der Tagung:

http://www.taz.de/pt/2004/11/02/a0296.nf/text.ges,1


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/1102/feuilleton/0004/index.html

Digitalisieren von Glasnegativen

Sind Licht und Wärme des Scanners für Glasplatten schädlich?

Glasnegative werden fachgerecht kühl und dunkel gelagert. Grundsätzlich sollte man ihnen etwas Zeit zum Akklimatisieren geben, wenn sie aus dem Magazin kommen. Licht und Wärme des Scanners wirken nur relativ kurzfristig auf das Negativ, die Platten sollten aber nicht mit der Temperatur des Magazins auf den Scanner kommen.

Welche verschiedenen technischen Möglichkeiten für die Digitalisierung gibt es?

Flachbett- oder Filmscanner haben jeweils ihre Vor- und Nachteile. Der Einsatz der Hardware, sollte zu den Anforderungen des Projekts passen.

Filmscanner liefern Schablonen nur für bestimmte Formate mit, Glasplatten sind aber was Größe und Dicke angeht, höchst unterschiedlich. Das führt in der Regel zu schlechten Ergebnissen oder Problemen.

Flachbettscanner haben den Vorteil, dass auch unterschiedliche und variirende Negativformate gut verarbeitet werden können. In der Regel geht es aber auch hier nicht ohne Schablonen, dies schon, weil das Negativ sonst vom Licht der übrigen Fläche „überstrahlt“ wird.

Glasnegative neigen oft zu Aussilberungen, so dass der Scanner durch die Reflexionen irritiert wird. Wenn sich diese Probleme nicht über die manuellen Einstellungen in der Scansoftware abfangen lassen bietet ggf. die Digitalisierung mit Hilfe einer Kamera eine Alternative.

Ich entwickle und teste zur Zeit, zusammen mit einem Fotografen, einen Aufbau auf Basis einer Digitalkamera mit Reprotisch und Durchlichtfläche. Hierbei sind aufgrund der jüngsten Kameraentwicklungen so hohe Auflösungen möglich, dass die Digitalisate auch als Sicherung genügen. Durch den Aufbau sollten die meisten Probleme von Flachbettscannern und Diascannern umgangen werden können. Von nicht unerheblicher Bedeutung dürfte auch sein, dass mit einer Digitalkamera die Produktivität sehr viel besser sein wird. In den meisten Projekten erweisen sich Scanner als echtes Nadelöhr.

Sofern Interesse besteht, kann ich gerne über den Fortgang und meine Erfahrungen berichten.

Warum Open Source?

Die Frage „Open Source oder nicht?“ sollte keinesfalls unter „ideologischen“ Vorzeichen diskutiert werden. Hier geht es nicht um Lizenzkosten – diese verusachen meist nicht einmal 20% der Kosten in IT-Projekten. Die Überlegungen sollten vielmehr in den Andorderungen des Projekts selbst wurzeln, d.h. am Anfang steht die Analyse der nötigen Funktionalitäten und Eigenschaften, die eine Software mitbringen sollte. Ist eine kommerzielle Software vorhanden, die dem geforderten Profil entspricht, wird die Wahl dieses Produkts die naheliegende Entscheidung sein.

Ist jedoch keine geeignete Software auf dem Markt, muss in eine Neuentwicklung oder Weiterentwicklung bestehender Systeme investiert werden. In einem solchen Fall ist Open Source eine ernsthafte Alternative, umso mehr im Bereich von Kulturprojekten der öffentlichen Hand, denn hier kann es nichtdarum gehen, sich einen „Marktvorteil“ zu verschaffen, sondern Resourcen optimal zu nutzen.
Die Nachnutzung bereits bestehender Open Source Lösungen bietet die Chance, sich bei einer Entwicklung auf die Anpassung bestehender Systeme an die eigenen, spezifischen Bedürfnisse zu konzentrieren.

weitere Links zum Thema:

Open Source bei der NASA: Nachricht bei Heise

Bilder im Web

Digitale Bildsammlungen sind kein Ersatz für analoge Fotografie, aber sie erleichtern den Zugang zu Material, dass sonst nur Forschenden und Experten vorbehalten bliebe.

Fotografie besteht nicht losgelöst vom Material. Sie hat jedoch häufigdie Eigenschaft in mehr als einem Abzug zu existieren. Die Frage nach Original und Kopie ist also ein Dauerproblem der Fotografie. Eine Möglichkeit, die Frage nach dem Original zu beantworten, ist die nur dem eigenhändigen, in zeitlicher Nähe entstandenen Abzug den Rang eines „Vintage“ einzuräumen.

Doch gibt es auch die Fotografie nach dem Vintage. Wenn die Inhalte von Fotografie in den Vordergrund treten wird die Frage „Ist ein digitales Bild noch eine Fotografie?“ zweitrangig. Dann hat das Bild in seiner digitalen Form die Möglichkeit, seine eigenen Potentiale zu entfalten, denn digitales Bilder sind in ihrern Verwendungsmöglichkeiten sehr viel vielseitiger.

Werkzeuge wie Diglib tragen schon jetzt dazu bei, dass sich für das wissenschaftliche Arbeiten mit digitalen Bildern neue Möglichkeiten und Formen entwickeln werden, in dem Maße wie Bildsammlungen zu echten Resourcen im Web werden.

Website: Digitale Photothek des Kunsthistorischen Instituts Florenz

Auftraggeber: Kunsthistorisches Institut in Florenz, MPI

Die analoge Studiensammlung des KHI umfasst über 500.000 Aufnahmen, vor allem zur Kunst Ober- und Mittelitaliens. Diese außergewöhnliche dichte Dokumentation ergänzt als Arbeitsinstrument der kunsthistorischen Forschung die Bibliothek des Instituts.

Die digitale Photothek des KHI umfasst wichtige historische Bestände zur italienischen Kunst, wie die Aufnahmen von Andrea Gaspare De Giovanni der Fresken von San Francesco in Assisi, oder die Kampagnen von Hilde Bauer-Lotz zur Florentiner Architektur und Stadttopografie vor dem Zweiten Weltkrieg.

In einem zweijährigen DFGgeförderten Projekt wurden 20.000 Negative in hoher Auflösung digitalisiert und stehen der Forschung mit Abschluss des Projekts als Resourcen zur Verfügung.

Technischer Rahmen:
Zugrundeliegende Dokumentation in Hida-Midas
Zope/Plone-basiertes CMS
Importschnittstelle zu einer objektorientierten Datenbank (Zope Object Database – ZODB)
Bildserver Digilib für das wissenschaftliche Arbeiten mit Bildern

Projektleitung: Ruth Goebel
Architektur und Umsetzung: Fafalter GmbH, Düsseldorf

Website: Historisches Farbdiaarchiv zur Decken- und Wandmalerei – 1943/1945

Auftraggeber: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

Auf persönlichen Erlass Adolf Hitlers wurden zwischen 1943 und 1945 die immobilen Kunstwerke im damaligen „Reichsgebiet“ kurz vor der drohenden Zerstörung durch die Alliierten fotografisch dokumentiert.
Die Kampagnen wurden in fünffachen Kopien an das Propagandaministerium geliefert. Dieser historische Fotobestand befindet sich heute auf verschiedene Institutionen verstreut. Wesentliche Teile liegen beim Bildarchiv Foto Marburg und beim Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, deren Bestände in dieser Website zusammengeführt werden.

Technischer Rahmen:
zugrundeliegende Dokumentation mit Hida-Midas
Zope/Plone-basiertes CMS
Importschnittstelle zur einer objektorientierten Datenbank (Zope Object Database – ZODB)

Projektleitung: Ruth Goebel
Architektur und Umsetzung: Fafalter GmbH, Düsseldorf

Website: Ignaz Böckenhoff – Fotografie auf dem Lande

Auftraggeber: Gemeinde Raesfeld

Ignaz Böckenhoff war der Fotograf der kleinen Leute. In Raesfeld im Westmünsterland geboren, hatte der Sohn eines Großbauern keinen Beruf erlernt. An sozialem Aufstieg war ihm auch nicht gelegen, er verbrachte sein Leben eher unauffällig, als ein scharfer Beobachter seiner Zeit. Seine Sammlung von 80.000 Negativen ist ein außergewöhnliches Dokument für den politischen und sozialen Wandel vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie befindet sich heute im Besitz der Gemeinde Raesfeld und wird im Westfälischen Landesmedienzentrum aufbewahrt.

Technischer Rahmen:
zugrundeliegende Dokumentation mit Apollo Mediamanager (Oracle)
Zope/Plone-basiertes CMS
Importschnittstelle zu einer Objektorientierten Datenbank

Projektleitung: Ruth Goebel
Architetktur und Umsetzung: Fafalter GmbH, Düsseldorf