Tausend Zahlen, aber keine Welt

Ein Beitrag in der Welt von Klaus Honnef befasst sich mit dem Übergang von der anaogen zur digitalen Fotografie, der industriellen Herstellung und Wiedergabe von Bildern, sowie der Gefahr des Verlusts eine kollektiven Bildgedächtnisses.

Der revolutionäre Bruch, den die digitale Fotografie für Bildproduktion und Bildarchivierung bedeutet, kann nicht in Abrede gestellt werden. Aus Sicht der Fotoarchivierung möchte ich aber einen Punkt präzisieren: Dass digitale Bildsammlungen mit „unerbitterlicher Zwangsläufigkeit unlesbar“ werden, kann nicht behauptet werden.

Die Art des Informationsverlustes hat sich nur radikal gewandelt. In der Vergangenheit waren es Zeit, Klima und Umwelt, die dem fotografischen Material zusetzten. Heute spielt dagegen zunehmend der Faktor Mensch eine Rolle. Daten gehen nicht verloren, weil Datenträger zerfallen, sondern weil die Informationen nicht gesichert wurden und Menschen es versäumten, dafür Vorkehrungen zu treffen. Dass Daten laufend weiter kopiert werden müssen, ist an sich keine Neuigkeit und die Strategien für digitale Langzeitarchivierung sind durchaus vorhanden, auch wenn dies selbst im Archivbereich viele nicht zur Kenntnis nehmen.

Honnef selbst erwähnt allerdings diesen menschlichen Faktor durchaus: „Nichtgefallen oder Geldmangel“. Letzteres könnte für digitale Bildarchive durchaus eine Gefahr darstellen. Die Frage tauchte auch bei der Tagung „Die Zukunft der Fotografie(n)“ auf: was passiert mit Daten, für deren Langzeitarchivierung niemand mehr aufkommen kann, dürfen sie gelöscht werden?

Zu technischen Strategien der Langzeitarchivierung müsste wohl auch eine langfristige ökonomische Absicherung gehören – die bei vielen Einrichtungen heute eher in Frage gestellt wird. Unter diesem Blickwinkel ist es natürlich problematisch, dass für Digitalisierungskampagnen Sondermittel zur Verfügung gestellt werden, der langfristige Erhalt der Daten dabei aber nicht als feste Größe einbezogen wird. Die Wahrheit ist ja für die Politik auch eher unbequem: Wir brauchen konsolidierte Einrichtungen, kein Fischen nach Projektmitteln.

Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei

Unter dem Titel Dokumentation, Digitalisierung, Kunstgeschichte. Das „Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei“, 1943-1945 veranstaltet das Zentralinstitut für Kunstgeschichte eine Fachtagung zum sog. „Führerauftrag“.

Dokumentation, Digitalisierung, Kunstgeschichte
Das „Farbdiaarchiv zur Wand- und Deckenmalerei“, 1943-1945
Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München
21.-22. Oktober 2005

Historische Fotografien im Web

Ich habe einer festen Seite eine Auswahl historischer Bildarchive online zusammengestellt, die als Einstiegsseite für Recherchen dienen kann. Kriterium für die Linkliste ist: die Sammlung verfügt über historisches Bildmaterial und bietet zumindest rudimentäre Recherchemöglichkeiten online an.

Kurzes Fazit ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Die amerikanischen Seiten sehen zwar manchmal etwas bürokratisch aus, sind aber stark inhaltsorientiert und erschließen zahlreichen Datenbanken.

Französische Seiten sind chick designed mit zum Teil ganz guten Recherchemöglichkeiten.

Britische Seiten bieten einen guten inhaltlichen Einstieg. Der Nutzer purzelt nicht gleich in das Formular für die Datenbankabfrage, sondern bekommt erst einmal durch kleine Artikel und Übersichten Appetit auf mehr.

Bei musealen Fotosammlungen schaut es eher mager aus. Die größten deutschen Sammlungen bieten lediglich eine summarische Beschreibung ihrer Bestände. Da wäre schon eine alphabetische Künstlerliste ein echter Fortschritt.

Bildarchive und vor allem Bibliotheken sind da ungleich besser positioniert. Dort wird offensichtlich weniger über Webdesign, als über das Erschließen von Inhalten nachgedacht.

XI Biennale Internazionale di Fotografia, Turin

Die Fondazione Italiana per la Fotografia richtet in Turin die XI Biennale Internazionale di Fotografia aus. Die Ausstellung skizziert mit ihren 350 Bilder rund 50 Jahre Geschichte des Fotojournalismus in Italien von der Nachkriegszeit bis zur aktuellen Produktion. Zu sehen sind der Neorealismus der Nachkriegszeit, Paparazzismo und Sozialreportage der 60er Jahre, die Bildberichte aus den Jahren von Terrorismus und Mafia bis hin zum anonymen Agenturbild und den aktuellen neuen Technologien.

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Ankündigung im Fotografie-Forum

Turin
Palazzo Bricherasio
2. September – 2. Oktober 2005

Photographic Exhibitions in Britain 1939-1865

Die Seite Photographic Exhibitions in Britain 1939-1865 wertet die Einträge der zeitgenössischen Ausstellungskataloge aus. Zuerst als Buch 2002 bei der National Gallery of Canada publiziert, sind diese Auswertungen jetzt auch online verfügbar.

Dieser Fundus an Information ist nicht nur für die frühe britsiche Fotogeschichte eine wichtiges Instrument, sondern durch die in britischen Ausstellungen vertretenen ausländischen Fotografen auch ein Hilfsmittel für die europäischen Fotogeschichte.

Die Suchmöglichkeiten beschränken sich nicht allein auf Volltextsuchen. Sehr hilfreich ist es vielmehr komplette Listen sichten zu können, wie Fotografennamen oder Ausstellungen.

Die Seite ist zudem suchmaschinenfreundlich, so dass die Nachweise auch über Google auffindbar sind.

Ich habe mich bei meinen Recherchen auf die frühe Architekturfotografie konzentriert, daraus hier eine kurze Zusammenfassung:

In britischen Ausstellungen vertreten waren natürlich die großen italienischen Architekturfotografen, die mit ihren Fotografien auch die Reisenden der Grand Tour bedienten und so ein Interesse an der britischen Klientel hatten:

Fratelli Alinari, Giacomo Caneva mit seinen Aufnahmen von Rom und Umgebung, Tommaso Cuccioni, Pietro Dovizielli und nicht zu vergessen den vor allem in Oberitalien tätigen Carlo Ponti.

Die Datenbank liefert aber auch weniger bekannte Namen wie die Cimetta, die vor allem mit Aufnahmen aus Venedig präsent waren oder Michele Petagna.

Eine Reihe ausländischer Fotografen hatten sich ebenfalls auf die italienischen Monumente konzentriert, bzw. waren dort ganz ansässig geworden wie James Anderson dessen Nachlass dann im Fotoarchiv der Alinari aufgegangen ist, oder der Franzose Eugene Constant, sein Landsmann Comte Frederick Flacheron mit seinen Romansichten, oder Robert Macpherson, Giovanni [John] Brampton Philpot schließlich Eugene Piot mit seinen Aufnahmen aus Florenz und Pisa.

Neben der dominanten Italienfotografie sind die Architekturaufnahmen von Charles Clifford und Rev. Percy Lousada aus Spanien zu vermerken.

Die frühe französische Architekturfotografie ist mit Aufnahmen von Claude-Marie Ferrier vertreten, der Kontakte zu William Fox Talbot unterhielt, ferner Frédéric Martens mit seinen Aufnahmen aus Frankreich und der Schweiz, Charles Nègre mit Aufnahmen aus Südfrankreich, Edmund Pecquerel, der auch in Rom tätig war, die Fotografen der Mission héliographique Gustave Le Gray und Henri Le Secq, schließlich der in Frankreich tätige Peter Wickens Fry, einer der Entwickler der Ambrotypie.

Zu guter letzt noch ein Überblick über die Orientreisenden: Francis Frith, William Morris Grundy und Robertson & Beato.

Kunst in color – Mario Ronchetti und Scala

Ein lesenswerter Artikel in der Photopresse („Ein Leben für die Kunst“ 31/32-2005) über Mario Ronchetti und das Fotoarchiv Scala verdeutlicht einmal mehr die Probleme von Archiven, die Farbaufnahmen konservieren: die fortschreitende Veränderung der Farbfilme verlangt nach immer aufwändigeren Korrekturen, seinen sie digital oder auch analog. Scala hat seine alte Aufnahmen mittels Farbauszügen und Dye transfer analog dupliziert, bzw. die Bilder digitalisiert und mit Photoshop korrigiert.

Ronchetti – zusammen mit Roberto Longhi der Gründer von Scala – hat sein Leben lang Kunstwerke in Farbe dokumentiert. Das Archivio Scala besitzt damit 150.000 Farbaufnahmen zur Creme de la Creme der italienischen Kunst, schon allein durch die exklusive Stellung als offizieller Dienstleister einer Reihe großer italienischer Museen, hat darüber hinaus aber auch weltweit Kunstwerke dokumentiert.

Scala bedient seit 1953 den Markt von farbig bebilderten Kunstbänden und agiert selbst auch als Verlag.

Dass die Gründung von Scala mit auf Longhi zurückgeht ist kein Zufall. Longhi selbst hat seine kunsthistorischen Forschungen stark auf Fotografien gestützt – auch wenn er zweifelsohne auch ein echter Kenner der Originale war. Longhis eigene fotografische Studiensammlung – heute in der Fondazione Longhi in Florenz – umfasst ca. 60.000 Abzüge zur Malerei des 13. bis 20. Jahrhunderts, die meisten davon schwarz-weiß.

Amassing a Treasury of Photography

Die New York Times mit einem Artikel über das Photomuse-Projekt

Das George Eastman House in Rochester und das International Center of Photography in Midtown New York City kooperieren beim Aufbau einer der größten Online-Fotosammlungen.

Die Website von Photomuse ist bislang nur eine Testseite, soll aber in Zukunft, d.h. 2006, fast 200.000 Fotografien frei zugänglich machen. Neben Masse wird diese Datenbank aber auch Qualtiät bringen, sie verspricht illustre Namen wie Stieglitz, Weegee und Lewis Hine.

An differenzierten Suchmöglichkeiten – Autor, Keywords, technische Charakteristika – wird gearbeitet. Die Bilder sollen frei zugänglich sein. Zusammen anderen öffentlichen Einrichtungen arbeitet Archimuse an einem großen virtuellen Fotomuseum im Web.

Eastmann hat bereits fast 140.000 Fotografien digitalisiert, das International Center of Photography über 30.000.

European Pressphoto Agency und Corbis

Die Fotoagentur European Pressphoto Agency (epa) kooperiert laut einem Bericht bei Heise fortan mit Corbis. Die noch junge epa, für die etwa 400 Fotografen Bilder liefern, ist ein Zusammenschluss elf eurpäischer Pressebildagenturen und erst seit zwei Jahren weltweit aktiv. Sie wurde 1985 in Frankfurt gegründet. Größter Anteilseigner ist mit 33 Prozent dei Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Artikel bei Heise

The Art of the Archive

Kunst aus dem Archiv des Los Angeles Police Department zeigt die Ausstellung The Art of the Archive in Zürich. Zu sehen sind kriminalistische Dokumentaraufnahmen der Identifikation und Beweisaufnahme, die hier erstmals unter künstlerischen Gesichtspunkten beleuchtet werden.
(Bericht in Fotografie-Forum)

The Art of the Archive
Fotografien aus dem Archiv des Los Angeles Police Department
15.07.-18.09.2005
Kunsthaus Zürich

Sammlung Hoffmann

Die Bilddatenbank der Bayrischen Staatsbibliothek mit dem Archiv Hoffmann behandelt eine Rezension bei H-Soz-u-Kult. Etwas knapp geraten in dieser Besprechung allerdings die eigentlichen Inhalte der Datenbank. Zur Sammlung Heinrich Hoffmanns wären einige Worte zu deren Inhalten hilfreich gewesen, noch weniger helfen für Recherchen allerdings die Beschreibung von Design und Benutzerführung.

Neben zahlreichen Personenaufnahmen Hitlers und seiner Umgebung enthält das Archiv Hoffmann etwa architekturhistorisch interessante Aufnahmen von den Bauaktivitäten der Nationalsozialisten am Münchner Königsplatz, die Entstehung von Führerbau, Verwaltungsbau (Kartothek mit der Kartei der Parteimitglieder!) und Ehrentempeln bis hin zu einer 1955 entstandenen Aufnahme Hoffmanns mit spielenden Kindern auf dem Gelände der gesprengten Ehrentempel.

Interessant auch die Aufnahmen der NSDAP Reichsgeschäftsstelle in der Schellingstraße mit dem Atelier Heinrich Hoffmanns.

Mit der Suche nach „Reichsparteitag“, findet man nicht nur die bekannten Aufnahmen von 1933, sondern auch die älterer Reichtsparteitage, die für die Entwicklung propagandistischer Großveranstaltungen durchaus interessante Vergleiche bieten.
Vom Reichsparteitagsgelände gibt es Aufnahmen aus der Bauzeit, Besichtigungen der Baustelle und des Neusbaus, aber wenig echte Architekturaufnahmen, mit der Dokumentation des Geländes war vielmehr Walter Hege beauftragt worden. Von Hege stammen auch einige wenige Aufnahmen von den Ehrentempeln am Münchner Königsplatz.

Weitere Großbauten des NS-Regimes im Bildbestand sind die der Neuen Reichskanzlei in Berlin (Suche mit „RKL“!), das Haus der Deutschen Kunst, die Reichsautobahnen, Berghof (Inneneinrichtung!) und Haus Wachenfeld auf dem Obersalzberg, die Ordensburgen in Croessinsee und Sonthofen, das Reichsluftfahrtministerium, die Mangfallbrücke, das KdF-Seebad Rügen; schließlich die Bauten der Olympischen Spiele: das Olympische Dorf, das Polofeld und das Olympiastadion.

Nicht zu vergessen die Porträts der NS-Architekten: Albert Speer, Paul Ludwig Troost, Werner March.

Wer denn gleich alles auf einmal will, kann über Suche nach Sigel „65“ (Sigelliste auf der Einstiegsseite) auch alle relevanten Fotografien zum Thema Architektur in der Datenbank treffen, das sind dann allerdings mehr als 2700 Treffer.

Die Suche über die Sigelliste bietet tatsächlich den einzigen thematischen Einstieg in die Datenbank, bei dem der Benutzer nicht schon die passenden Suchbegriffe selbst mitbringen muss. Interessant etwa die Bilddokumente zu den Auslandsbeziehungen des nationalsozialistischen Deutschlands, die sich mit „01“ für Italien suchen lassen.

Ein Desiderat für weitere Forschungen: Die im Archiv Hoffmann enthaltenen älteren Aufnahmen stammen laut Sachsse, „Erziehung zum Wegsehen“, S. 394 aus Bildarchiven jüdischer Fotografen, die Hoffmann systemtaisch für seine Bildagentur aufgekauft hat. Um diesem Punkt nachzugehen bietet die Datenbank der BSB aber keinerlei Grundlage.

Zwar liefert die Suche über Ort = Berlin und nicht Künstler = Hoffmann, eine Reihe von Treffern, zu denen jedoch häufig kein Urheber bekannt ist. Aus größeren Bildarchiven finden sich in dieser Trefferliste etwa Atlantic und Scherl. An dieser Stelle wüsste man deshalb gern mehr und es rächt sich, dass keine Indizes hinterlegt sind, die dem Benutzer Orientierung bieten würden, welche Fotografen in diesem Archiv vertreten sind.

Was gibt es sonst noch zu Hoffmann?
Laut Fotografendatenbank der Piag liegen die Nutzungrechte am Bestand Hoffmann zum Teil beim Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin, ein Teil des Nachlasses befindet sich bei akg-images. Sonst nützlich auch die Seite zu Hoffmann beim Deutschen Historischen Museusm, die ihn ebenfalls unter ihren Fotografen listen.

Aspekte der zeitgenössischen Fotografie

Das Wolfsberg Arts Forum veranstaltet im Herbst eine Tagung zum Thema Aspekte der zeitgenössichen Fotografie. Die Tagung richtet sich an Kunst- und Kulturinteressierte sowie Sammler.
Besonderes Augemerk gilt dabei auch der Zwitterrolle der Fotografie zwischen Information/Dokumentation und Kunst. Aus dem Bereich der Bildarchive spricht David Laidler von Getty Images, New York.

Wolfsberg Arts Forum
7.-8. November 2005

Programm als PDF