Münstersche Kriegschronik online

Das Stadtarchiv Münster hat jetzt einen Teil aus dem Bildbestand der Kriegschronik (1939-1945) online zugänglich gemacht. Die Bilder werden dem Benutzer thematisch strukturiert zur Verfügung gestellt. Die gesamt Chronik dieser Jahre ist ungewöhnlich umfangreich und umfasst über 8.500 Fotografien.

Ergänzend und erläuternd stehen Zitate aus der Kriegschronik neben den Bildern. Sehenswert, wenn auch leider nicht komplett online.

Kriegschronik – Münster im Zweiten Weltkrieg

nützlich – süß – museal. Das fotografierte Tier

Seit ihrer Erfindung haben Fotografen und Fotografinnen das Tier kontinuierlich beobachtet und abgebildet: als repräsentativen Besitz und Züchtungserfolg, als Trophäe erfolgreicher Expeditionen und Jagden, als ’treuen Freund’ und ’Arbeitsgerät’ des Menschen, als naturwissenschaftlichen Untersuchungsgegenstand und als Kunstobjekt.

Resüme dieser Geschichte ist die Ausstellung nützlich – süß – museal, die das Museum-Folkwang der Tierfotografie widment. Die Auswahl der mehr als 300 Exponate umfasst u. a Daguerreotypien und frühe fototechnische Versuche, das Tier in Bewegung zu zeigen, Aufnahmen von Großwildjagden und Fotosafaris, Amateurfotografien und zu wissenschaftlichen oder zu Zuchtzwecken hergestellte Bilder, außerdem Beispiele des Bildjournalismus und der Autorenfotografie sowie Installationen und Projektionen zeitgenössischer Künstler.

Neben Fotografien aus dem Bestand der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang versammelt die Ausstellung zahlreiche Leihgaben von Fotomuseen, öffentlichen und privaten Sammlungen, naturhistorischen Museen, Universitätsarchiven sowie den Archiven von Zoologischen Gärten in Deutschland, Europa und Nordamerika.

nützlich – süß – museal. Das fotografierte Tier
Museum Folkwang, Obere Galerie
22. Oktober 2005 – 15. Januar 2006

gefunden im Fotografie-Forum

Die Erinnerung an das Jahr 1945 – Pressebildarchive und kommerzielle Agenturen

Neben den staatlichen und öffentlichen Archiven sind es die alten Pressearchive, die Fotobestände zum Jahr 1945 besitzen. Der folgende Überblick (unvollständig) als Einstieg:

An erster Stelle ist natürlich an die großen, Getty und Corbis, zu denken, in deren Beständen zahlreiche Pressearchive aufgegangen sind.

In Deutschland ist das Archiv des Ullstein-Verlags zu nennen, das gut online zu durchsuchen ist, auch wenn hier wiederum nur ein Ausschnitt des Gesamtbestandes digital vorliegt. Weitere kleine Sammlungen: Interfoto, kpa photo archive.

Gute Recherchen kann man über Mirrorpix in den Pressebildarchiven von Daily Mirror, Sundy Mirror, The People, Racing Post, Daily Record und Sunday Mail machen.

Die Archive von Time und Life sind über die Seite Time & Life Pictures zu recherchieren.

Weitere kleinere Bestände bei IPNStock (Independent Photography Network), The Image Works, Retrofile, Picture-Alliance und Mary Evans Picture Library.

Auferstehung einer verlorenen Welt

… titelt die FAZ heute (06.10.05) in ihrer gedruckten Ausgabe. Dieter Bartetzko setzt sich kritisch mit den Möglichkeiten des sog. „Führererlass“, einer der größten Fotokampagnen der Geschichte, auseinander. Zwischen 1943 und 1945 waren die vom Krieg bedrohten Decken- und Wandbilder im damaligen Reichsgebiet auf Farbdiafilm dokumentiert worden.

Auf die Tagung zum „Führererlass“ am 21. und 22. Oktober in München hatte ich bereits hingewiesen. Dann wird der Bestand auch im Internet verfügbar sein.

Virtuelle Fotoausstellungen – die BNF

Als besonders moderne und interessante Fotoausstellungen im Web möchte ich die Seite der Bibliothèque nationale de France erwähnen (Galerie de photographie), auf der in den letzten Jahren mehrere Projekte erstellt wurden:

Schaulust. Sehmaschinen, optische Theater & andere Spektakel

Ab dem 26. Oktober wird im Altonaer Museum in Hamburg die Ausstellung Schaulust. Sehmaschinen, optische Theater & andere Spektakel zu sehen sein.

Gezeigt werden Objekte von der Camera Obscura über Guckkastenbilder, von Panoramen über Daumenkinos bis hin zu trickreichen Vexierbildern und modernen Sehmaschinen aus der Sammlung Werner Nekes.

Altonaer Museum in Hamburg
– Norddeutsches Landesmuseum
Museumstraße 23
22765 Hamburg
26. Oktober 2005 – 01. April 2006

Reisefotografie vor der Fotografie: Dioramen aus Schlesien und Böhmen

Optische Effekte dienten zu Anfang des 19. Jahrhunderts als beliebter Zeitvertreib. Schon vor der Erfindung der Fotografie experimentierte man mit Licht und Schatten oder perspektivischen Tricks, um Motive besonders einprägsam darzustellen.

Eine Ausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen zeigt jetzt Dioramen mit beliebten touristischen Reisezielen in Böhmen und Schlesien. Die Hersteller schufen diese Kastenbilder nicht als Naturabbilder, sondern wählten Grafiken als Vorbild.

Die miniaturhaften realitätsgetreuen Landschaften waren beliebte Mitbringsel vergangener Tage. Sie reflektieren das Interesse im 19. Jahrhundert an optischen Phänomenen, den aufkommenden Tourismus und das Vergnügen einer sentimentalen Erinnerungs- und Andenkenkultur der Biedermeierzeit.

Eine Ausstellung des Altonaer Museums in Hamburg
– Norddeutsches Landesmuseum
2. Oktober – 27. November 2005
Oberschlesisches Landesmuseum
Bahnhofstr. 62
40883 Ratingen
Ausstellungsinfos

Robert Frank – Storylines

Die Fotostiftung Schweiz in Winterthur zeigt derzeit eine Ausstellung mit Arbeiten von Robert Frank.

Frank erhielt seine Ausbildung zum Fotografen in verschiedenen Schweizer Fotoateliers, 1947 emigrierte er nach New York. Mit sich nahm er sein erstes Fotobuch, das den Art Director von Harper’s Bazaar so beeindruckte, dass er ihm einen Job als Studiofotografen offerierte. Robert Frank bereiste anschliessend bis Mitte der 1950er Jahre Südamerika, Europa und die USA, und entwickelte dabei seinen eigenen, einzigartigen Stil, der die Sprache der Nachkriegsfotografie nachhaltig veränderte. 1951 porträtierte er die Stadt London in der grossen Spannung zwischen Armut und Reichtum nach dem 2. Weltkrieg. 1953 arbeitete er in Caerau in Wales, wo er eine Fotogeschichte über ein Bergwerksdorf, speziell über den Bergarbeiter Ben James und seine Familie entwarf.

Robert Frank – Storylines
Fotostiftung Schweiz, Winterthur
3. September bis 20. November 2005

Evelyn Richter – die Dokumentation des Alltags

Evelyn Richter gehörte zu den bedeutendsten sozialdokumentarischen Fotografinnen der DDR. Anlässlich ihres 75. Geburtstags zeigt das Museum der bildenden Künste in Leipzig unter dem Titel „Rückblick – Konzepte – Fragmente“ eine große Werkschau mit Fotografien aus fünf Jahrzehnten.

schreibt der MDR

EVELYN RICHTER
Rückblick, Konzepte, Fragmente
Museum der Bildenden Künste, Leipzig
18. September bis 20. November 2005

Barbara Klemm: Künstlerporträts

Ihr Archiv umfasst über eine Millionen Negative. Es sind Reportageaufnahmen darunter, Landschaftsstudien, Künstlerporträts. Barbara Klemm hat die großen Kulturereignisse der deutschen Geschichte festgehalten, aber auch den Alltag der Menschen in Mexiko oder Amerika, schreibt die Berliner Zeitung.

Jetzt sind eine Reihe von Künstlerporträts der Fotografin in Hamburg zu sehen.

Barbara Klemm: Künstlerportraits 1968 – 2004
21. September 2005 – 8. Januar 2006

Deichtorhallen Hamburg
Haus der Photographie
Aktuelle Kunst
Deichtorstr. 1-2
D-20095 Hamburg
Ausstellungsseite

gefunden im Fotografie-Forum

Fotonachlässe im Staatsarchiv Freiburg

Ein Hinweis in Archivalia:
Ein sehr lesenswerter Vortrag von Kurt Hochstuhl zur Vermarktung von Fotonachlässen (S. 18ff):

Der Autor berichtet über die positve Erfahrungen mit Fotosammlungen im Staatsarchiv Freiburg mit den Nachlässen von Willy Pragher und Sepp (Joseph) Allgeier. Vor allem der Nachlass Praghers hat bereits in der Vergangenheit einige Aufmerksamkeit erfahren.

Praghers Sammlung, die 1993 in das Archiv gelangte, umfasst rund 1 Millionen Bilder. Der freiberuflicher Fotograf war seit 1932 als in der Landeshauptstadt Berlin tätig, hat aber auch im Ausland fotografiert. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als er als Werbegrafiker in Rumänien arbeitete, entstanden allein 10.000 landeskundliche Aufnahmen zu Rumänien. Seit 1949 war Pragher in Freiburg als Fotograf tätig, wo er 1992 verstorben ist.

Der Nachlass von Sepp (Joseph) Allgeier, einem der Pioniere des Berg- und Sportfilms – Allgeier arbeitete u.a. zusammen mit Riefenstahl – umfasst ca. 4.840 Aufnahmen, die komplett digitalisiert wurden. Allgeier verstarb 1968 in Freiburg.

Die von Hochstuhl erwähnten Vermarktungsstrategien sind in ihrer Zusammenwirken durchaus logisch: Buchprojekte, das Internet sowie eine Ausstellung.

Was die Bereitstellung digitaler Bilder angeht, hat das Archiv im Fall des Pragher-Bestandes die Kooperation mit einer kommerziellen Bildagentur gesucht, doch steht diese Zusammenarbeit behördlicherseits auf dem Prüfstand.

Bislang sind nur die als Appetizer eingestellten Fotografien online verfügbar, die aber nur einen Bruchteil des Gesamtbestandes darstellen, themenbezogen sind das:
Baden-Würtemberg: gesamt 400.000 – eingestellt 50
Berlin 20er und 30er Jahre: gesamt 15.000 – eingestellt 20
Nationalsozialismus: gesamt 5.000 – eingestellt 16
Fotoreisen: gesamt 400.000 – eingestellt 15

Die Kooperation mit einem kommerziellen Anbieter ist sicherlich ein denkbarer Weg, Bilder im Web verfügbar zu machen. Den rechtlichen Rahmen sowie die Bemessung von Kostenaufwand und zu teilendem Profit, kann ich aus meiner Warte nicht beurteilen, doch stellt sich das Problem aus Nutzersicht folgendermaßen:

Kommerzielle Bildbarchive machen die Zusammensetzung ihrer Sammlung erfahrungsgemäß wenig transparent. Sie bedienen Kunden, die in der Regel mit sehr konkreten Suchanfragen kommen. Diese suchen nach konkreten Motiven und sind weniger an Sammlungszusammenhängen interessiert. Kommerzielle Anbieter richten sich an Kunden, die Bilder zu Illustrationszwecken suchen. Die Zusammensetzung ihrer historischen Teilarchive machen sie nach außen kaum sichtbar. Eine Zusammenfassung welche historischen Sammlung in den Bildpools von Getty und Corbis aufgegangen sind, wird man dort vergeblich suchen und das ist auch bei kleineren Bildagenturen oft nicht anders. Ein öffentliches Archiv definiert sich dagegen gewissermaßen aus der Summe seiner Teilsammlungen.

Vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrung mit der Aufarbeitung eines Fotonachlasses habe ich das bestehende Webangebot des Pragher-Archivs durchgesehen:

Aus meiner Sicht ist die Integration von Fotosammlungen in das Informationsangebot klassischer Archive ein grundsätzliches Problem, indem der Nutzer möglichst erst über die Findbücher geschickt wird. Tatsächlich kann ein nichtwissenschaftlicher Nutzer oder einer mit wenig Vorwissen kaum erkennen, was sich thematisch hinter einem Bestandsnamen verbirgt und in welchen Teilbeständen überhaupt Bilder zu finden sind.

Dabei sind die Bestandslisten im Webangebot des Landesarchvis Baden-Württemberg keineswegs einheitlich. Die Bestandsübersicht des Staatsarchivs Freiburg enthält den Eintrag „W134 Sammlung Willy Pragher I“, weitere Teilsammlungen dieses Bestandes sind nicht gelistet, sie können aber über die „Übergreifende Suche“ recherchiert werden, ein Zustand, der für den Benutzer wenig transparent ist.

Für die Suche im Pragher-Bildbestand stehen dem Benutzer alphabetische Listen für Personen, Sachthemen und Orte, aber auch eine Freitextsuche zur Verfügung, so dass recht differenziert gesucht werden kann. Aus einzelnen Treffern der verschieden Suchen kommend, kann immer wieder in die Strukturansicht (verwandter Aufnahmen) gewechselt werden, auch wenn man etwa per Freitextsuche recherchiert hat, eine Möglichkeit, die sehr schön den Zusammenhang einer einzelnen Aufnahme zum Teilbestand deutlich werden lässt.

In der Art wie Suchergebnisse dargestellt werden, zeigt sich einmal mehr der Gegensatz zwischen kommerziellen Bildarchiven und klassischen Archiven. Während erstere auf ein visuelle Orientierung des Nutzers zielen, zeigen die Treffer im Pragher-Bildbestand erst einmal die Metadaten, bevor der Nutzer auch zum Bild findet. Man kann sich eben manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass Archive ihr Bildmaterial etwas stiefmütterlich behandeln.

In puncto Transparenz lässt die Menüstruktur etwas zu wünschen übrig. Inhaltliche Seiten wie etwa der Lebenslauf des Fotografen werden hinter wenig aussagekräftigen Menüpunkten wie „Übersicht“ versteckt.

Die Chance einer Website mit Datenbankanbindung besteht sicherlich darin, einen Bildbestand der Öffentlichkeit stärker zugänglich zu machen. Das könnte im Freiburger Fall noch etwas besser gelingen, wenn das Datenbankangebot enger mit redaktionellen Seiten verbunden wäre, etwa weiteren Informationen zu Praghers Fotoreisen und einzelnen Werkgruppen innerhalb des Bestandes. Solche Seiten machen das Angebot nicht nur benutzerfreundlicher sondern überhaupt besser auffindbar. Die Seite wird von Suchmaschinen vielfältiger indiziert und damit unter inhaltlichen Gesichtspunkten besser auffindbar.

Diese Kritik soll die Qualität dieses Angebots insgesamt nicht in Zweifel ziehen. Es wäre zu wünschen, dass mehr Archive so offensiv mit ihren Bildbeständen an die Öffentlichkeit gehen.

Profiling Amerika – Amerikanische Fotografie 1860 – 1960

Das Forum für Fotografie in Köln zeichnet in seiner neuesten Ausstellung 100 Jahren amerikanischer Fotogeschichte. Zu sehen sind ab dem 3. September Fotografien aus der Zeit des Sezessionskrieges, der großen Depression nach der Weltwirtschaftskrise, des Zweiten Weltkrieges sowie der Nachkriegszeit. In der Ausstellung finden sich die Namen bedeutender Fotografen wie Mathew B. Brady, Walker Evans, Alexander Gardner, Margaret Bourke-White, Frances Benjamin Johnston, Dorothea Lange, Ben Shahn, Irving Penn, Arthur Rothstein, W. Eugene Smith, Jacob Riis und Gordon Parks.
Die Ausstellungsmacher stellen die Frage nach dem Selbstbild der Amerikaner. Alle Aufnahmen stammen aus den Beständen der Gesellschaft für Photo Archive e.V.

PROFILING AMERICA. AMERIKANISCHE FOTOGRAFIE 1860–1960
03.09-23.10.2005
Forum für Fotografie
Schönhauser Str. 8
50968 Köln

Die Library of Congress lässt Frauen wählen

Der San Fracisco Chronicle berichtet über eine fotohistorische Ausstellung der Library of Congress zum Thema Frauenwahlrecht. Anlass ist das 85jährige Bestehen des Frauenwahlrechts.

Die 448 Fotos der Ausstellung umfassen eine Zeitraum von 130 Jahren und stellen eine Auswahl aus der Sammlung der National Woman’s Party (insges. 2650 Aufnahmen) dar.

Die online-Ausstellung stellt den Bildbestand zum Thema nicht nur im Web zur Verfügung, sondern liefert ergänzende Essays, eine Porträtgalerie und eine Timeline.