Nachmalen verboten

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Ein Mailänder Gericht hat jetzt einen Maler wegen Urheberrechtsverletzung verklagt, der eine Fotografie als Grundlage seiner Arbeit verwendet hatte, berichtet photographers.it.

Wenn man bedenkt, dass der kreative Umgang mit vorgefunden Bildern beinahe so alt ist, wie die Geschichte der Kunst, können wir uns bald wieder in Höhlen zurückziehen. Oder Künstler sollten ihre Werke mit Fußnoten versehen…

MPI für Wissenschaftsgeschichte macht sich für Open Access von Bildern stark

Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte arbeitet zusammen mit anderen Partnern an einer Verbesserung des Zugangs zu Bildquellen für die Wissenschaft.

Der wachsenden Menge an Bildmaterial steht ein häufig immer restriktiver Zugang gegenüber, wobei es häufig Museen und Archive – also Einrichtungen der öffentlichen Hand – sind, die Wissenschaftlern den Zugang zu ihren Quellen nicht immer erleichtern.

Der jetzt veröffentlichte Aufruf ist das Ergebnis einer im Januar abgehaltenen Tagung am MPI, die Kuratoren, Verleger und andere Beteiligte an einen Tisch brachte.

Angestrebt werden etwa reduzierte Lizenzgebühren für Wissenschaftler oder auch ein völliger Verzicht auf diese. Auch die Lizensierung für eine online-Verwendung der Bilder wird aus wissenschaftlicher Sicht zunehmend wichtiger. Häufig dominiert immer noch ein antiquiertes Abrechnungssystem, das im wesentlichen auf die Größe der Abbildung sowie die Anzahl der publizierten Exemplare ausgerichtet ist, was gerade im online-Bereich zu unangemessen hohen Preisen führen kann.

Aus meiner Sicht könnte man zwei Dinge noch ergänzen:

Auch die Wissenschaft bringt etwas ein, wenn Stücke im öffentlichen Besitz bearbeitet und erforscht werden. Dafür zahlt auch ein Museum nichts, wenn die Beiträge gut zugänglich publiziert werden.

Digitalisierungen werden häufig nicht aus der Portokasse oder dem laufenden Etat bezahlt, sondern mit gesondert beantragten Mitteln öffentlich gefördert. Da sollte es eigentlich im Interesse der Geldgeber sein, dass am Ende der Nahrungkette nicht eine öffentliche Hand Geld in die Kasse der anderen schieben muss.

Informationen auf der Website des MPI:
MPIWG: New Ways of Using Digital Images
Best Practices for Access to Images: Recommendations for Scholarly Use and Publishing (PDF)

gefunden bei: www.heise.de

Gebühren für Sanssouci-Fotos

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hat gegen zwei Bildagenturen und einen Fotografen vom Landgericht das Recht zugesprochen bekommen, für Außenaufnahmen von Schloss Sanssouci Gebühren zu erheben.

Die Gebühren gelten nur für kommerzielle Fotografien. Private Fotos wie Erinnerungsbilder von Touristen sind weiter ohne Einschränkungen möglich.

Da der Park allerdings kostenfrei zugänglich ist, stellt sich die Frage, ob Panoramafreiheit nach § 59 UrhG gegeben ist. Auch die Buchverlage sind nicht gerade amüsiert.

Weitere Informationen und Presseberichte zum Thema via Archivalia.

Podiumsdiskussion “Kunst und ihre technische Reproduktion”

Eine Zusammenfassung der Podiumsdiskussion “Kunst und ihre technische Reproduktion” bei der Tagung Kreative Arbeit und Urheberrecht liefert das Blog Arbeit 2.0 – Kreative Arbeit und Urheberrecht in der digitalen Welt. Die Teilnehmer erläuterten die Frage der Verwertungsrechte und Lizenzgebühren bei Fotoreproduktionen musealer Werke.

Teilnehmer der Runde waren Volker Grassmuck (Moderation), Gerhard Pfennig von der VG-Bildkunst, Hanns-Peter Frentz, Leiter des Bildarchivs der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Künstlerin Cornelia Sollfrank, sowie der freiberuflich für Museen tätige Fotograf Christoph Irrgang.

Die sich an die Zusammenfassung anschließende Diskussion von Nutzern der Seite zeigt, wie groß die Kluft zwischen den “klassischen Verwertern” und der Web-2.0-Gemeinde ist. Kritikpunkte sind im Prinzip die, die man auch der Musikindustrie vorwerfen kann: zu sehr stehen Verwertung und Lizenzen und weniger die eigentliche Leistung im Vordergrund. Dazu strapaziert man den rechtlichen Rahmen aufs äußerste.

Die Diskussion war Teil der Tagung “Kreative Arbeit und Urheberrecht”, dazu mehr via irights.info

Als Wanddekoration genutzte Fotografien in Gaststätte

Die Wiedergabe von Bildreproduktionen (Fotografien) in Gaststätten ist nicht als Ausstellung noch als Verbreitung zu definieren. Dies hat das Landgericht Köln festgestellt (Urteil vom 14. Mai 2008 — 28 O 582/07).

Vgl. dazu auch den Beitrag des Institutes für Urheber- und Medienrecht:
ZUM (ISSN: 0177-6762), 52. Jahrgang 2008, Heft 8/9
www.urheberrecht.org/reviews/toc/zum/2008/8/
sowie den Volltext des Urteils: www.justiz.nrw.de

Schlösserfotos nicht mehr ohne SPSG

Die Stiftung der Preußischen Schlösser und Gärten (SPGS) hat eine Bildagentur auf Unterlassung verklagt, die Bilder der Schlösser nicht mehr zu vertreiben ohne die SPSG daran zu beteiligen.

gefunden bei Archivalia
weiter tagesspiegel.de und heise.de

Journalisten wie Wissenschaftler sind empört. Ich gehe wohl besser eine Rechtsschutzversicherung abschließen. In einigen europäischen Ländern ist man derweil ähnlich geschäftstüchtig: Das Bild Atomium

Nachtrag:
Beitrag der TAZ zum Thema

Metadaten und Hotpixel kein Beleg für Urheberschaft

In einem Fall vor dem LG München war die Frage der Urheberschaft von Fotodateien zu klären.

Im fraglichen Rechtsstreit hat das Gericht die Metadaten nicht als stichhaltigen Nachweis für die Urheberschaft des Fotografen angesehen, weil sie veränderbar sind. Ebenso wenig ließ das Gericht die Hotpixel als Argument gelten, d.h. Pixelfehler des Sensors, die eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Digitalkamera belegen sollen.

Dem Fotografen wurde jedoch die Urheberschaft zugesprochen, weil der Kläger nachweisen konnte, die Dateien auf einem Speichermedium übergeben zu haben, sowie die Tatsache, dass der Fotograf weitere Fotos der Serie vorlegen konnte.

Urteil über:
www.jurpc.de
weitere Beiträge zum Urteil
www.schumpelick.net
www.wb-law.de

R. Polley: Rechtsfragen bei der Präsentation und Benutzung digitaler Publikationen im archivischen Kontext

Der lesenswerte Aufsatz von Polley in Archivpflege in Westfalen-Lippe 63, 2005 behandelt das Thema Urheberrecht von Archivgut und Quelleneditionen im Zusammehang der Bereitstellung im Internet.

Aufsatz als PDF über die Seite Archivpflege

Klaus Graf hat in Archivalia folgende kritische Anmerkung gemacht:

Ausatz Polley:
Zu bedenken ist aber, dass beispielsweise nach der Bundesarchiv-Kostenverordnung vom 29. September 1997 (BGBl. I S. 2380) in der Fassung vom 7. November 2000 (BGBl. I S. 1495) die Einblendung von Reproduktionen in Onlinedienste je Reproduktion nach deren Zeitspanne gebührenpflichtig ist und zwar bei einem Jahr im Betrag von 191,73 Euro (Anlage zu § 2 BArchKostV, Kostenverzeichnis, A. Gebühren, Nummer 4.35). Wenn der Benutzer mehrere Bilder Online-Diensten zuführt, vermehrt sich numerisch der Betrag, und ich verstehe die Regelung so, dass mehrjährige Zeiträume der Online-Setzung auch den Jahresbetrag multiplikatorisch erhöhen. Einen Hinweis darauf, dass nur eine mit Gewinnstreben verbundene gewerbliche Online-Setzung darunter zu verstehen ist, vermag ich der Regelung wörtlich nicht zu entnehmen. Auch die Legitimation zur Gebührenbefreiung bei wissenschaftlichen Zwecken erfasst nach § 4 Abs. 2 BArchKostV nicht diese Nummernregelung.

Dazu Graf:
Diese Gebührengestaltung erscheint mir nicht mit dem gebührenrechtlichen Äquivalenzprinzip vereinbar.

Tatschächlich muss jeder Mensch mit etwas Common Sense hier erst einmal zusammenzucken, wenn derart multipliziert wird.

Die Frage der Bildnutzungshonorare für Webseiten ist mir in Gebührenordnungen schon häufiger als recht kostspielig aufgestoßen. Immerhin gibt es Gebührenordnungen, die die Nutzungsdauer im Internet nicht befristen, vgl. (als willkürliches Beispiel) die Gebührenordnung des LWL (PDF) .

Die allermeisten Gebührenordnungen kranken aber an der Tatsache, dass das Internet (entgegen der vorhandenen technischen Möglichkeiten der Differenzierung) nur pauschal als weltweite Verbreitung gemessen wird, und eine Differenzierung wie Auflagenstärke bei Druckmedien einfach nicht stattfindet.

Pressebilder, die mir zur Verfügung gestellt werden, verwende ich in diesem Blog natürlich gern, Bilder nach Gebührenordnung einzukaufen ist dagegen absolut nicht drin.

Langfristig betrachtet, würde ich folgende These wagen: Öffentlicher Besitz, der nicht öffentlich greifbar ist, führt irgendwann zu einem Legitimationsproblem. Wie schon gelegentlich zu beobachten, gibt es immer weniger Geld für Projekte, deren Output nicht auch öffentlich zugänglich ist. Früher oder später wird es auch unabhängig von der Frage der finanziellen Förderung (wie schon bei den Bestimmungen zur Accessibility von Websites) eine (gesetzliche) Pflicht sein, dass Archive und Museen ihre Bestände im Web zugänglich machen, sonst droht die Institution als Ganze eingemottet zu werden. Damit sollte sich (in einigen Jahrzehnten oder früher) auch die Politik ändern, wie diese Werke in öffentlichem Besitz durch Dritte genutzt werden können.

Seminar Bildrechte

Ulla Schmitz weist im Newsletter Fotografie auf folgende Veranstaltung hin:

BFF-Seminar Bildrechte | 09.11.2007 Hamburg
Tages-Seminar mit Dr. Wolfgang Maaßen im Pressehaus Gruner + Jahr für Bild-Verwerter – Art Buyerinnen, Art Directoren, Bildredakteure, Fotografen und alle, die tagtäglich mit Bildern umgehen.

mehr über Fotografie-Forum

Bildrecht und CC-Lizenzen

Klaus Graf hat in Archivalia einen ausführlichen Beitrag zu CC-Lizenzen. Neben den Urheberrechten führt häufig die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Markenrechten usw. zu Konflikten. Allerdings gilt hier, dass CC-Lizenzen NUR die Frage der Urheberschaft und Nutzungsbedingenen klären, die Frage der Persönlichkeitsrechte aber eben noch gesondert beantwortet werden muss.

Es ist in der Bildrechte-Praxis der Wikipedia seit langem Konsens, dass Rechte anderer Art (Markenrecht, Recht am eigenen Bild, Namensrechte, öffentlichrechtliche Rechte an Hoheitszeichen) mit der freien Lizenz des Bildes nichts zu tun haben.

Smithonian Images bei Flickr

Wie schnell sich Datenbanken migrieren lassen, zeigt ein außergewöhnliches Beispiel, auf das die Seite boingboing hinweist: Smithsonian images migrated to Flickr for fair-er use.

Da die Smithonian Institutes auch für Bilder ohne copyright saftige Gebühren berechnen, hat eine Gruppe von Flickr-Usern die Vorschaubilder aus der Website von Smithonian geladen, die Metadaten in die Header geschrieben und alles auf Flickr bereitgestellt. Darunter so bekannte Bildbestände wie die Cyanotypien von Edward Muybridge. Zum Teil gibt es auch hoch aufgelöste Bilder, die bei Smithonian gekauft wurden.

Auf diese Weise kommen die Bilder praktisch mit ihrer integrierten Datenbank daher, d.h. am Ende kann sich jeder daraus eine kleine Bilddatenbank generieren. Den Katalog zur Sammlung gibt es dazu auch gedruckt: public domain prospectus.

Die Aktion zielt auf eine maximale Verbreitung und Nutzung der Bilder. Sie birgt einigen Sprengstoff und ist sicher ein seltenes Beispiel, in dem der Nachweis der Rechte der Bildverwalter im großen Stil auf die Probe gestellt wird. Das dürfte bei etlichen Einrichtungen allerdings auf wenig Gegenliebe stoßen.

Nachtrag
siehe auch Archivalia mit mehr Informationen zur Rechtefrage

Open Access und Lobbyismus: P.E.N gegen Wissenschaft

Wenn sich P.E.N Zentrum und Börsenverein zusammentun, um eine Erklärung unter dem Titel “Frankfurter Mahnung” veröffentlichen, ja dann erwartet man doch eine weise, wohlüberlegte und auch wohlbegründete Stellungnahme zu einem gesellschaftlich bedeutsamen Thema.

Deutschland verliert, heisst es dort, “mit dem fehlenden Respekt für geistige Schöpfungen zugleich seine Rolle als eine der führenden Kultur- und Bildungsnationen”.

Der Ruf Deutschlands als eine führende Kultur- und Bildungsnation gründet sich auf Menschen wie Alexander von Humboldt, die gerade nicht in einer Zeit lebten, die von ausuferndem Urheberrecht geprägt wurden.

Es wird postuliert, das wegen fehlender Bodenschätze Deutschland darauf angewiesen sei, Schaffer vervielfältigungswürdiger Inhalte zu schützen, damit genügend Anreize für die Schaffung solcher Inhalte bestehen. Schließlich soll, im letzten Satz, der Staat mehr Geld in Wissensbereitstellung und -aufbereitung investieren.

Spätestens hier wird deutlich, dass die “Frankfurter Mahnung” in Ihrem Kern eine Art Subventionsantrag ist, der durch ein paar wirr kombinierte Behauptungen aus der volkswirtschaftlichen Klamottenkiste ergänzt wurde.

Natürlich ist es gerechtfertigt, wenn Autoren literarischer Werke und Komponisten ihr Urheberrecht wahrnehmen und sich vergüten lassen. Die Vertreter von Open Access fordern ja nicht, dass jegliche geistige Leistung frei sein muss.

Open Access zielt auf die freie Zugänglichkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die wissenschaftliche Diskussion braucht diese Erkenntnisse, damit sie geführt werden kann. Je mehr Wissenschaftler von der Diskussion aus Kostengründen ausgeschlossen werden, umso ärmer wird die Diskussion. Schon jetzt ist es so, dass Wissenschaftler die keiner gut betuchten Organisation wie der Max-Planck-Gesellschaft angeschlossen sind, es sehr schwer haben, die Kosten für die Nutzung von Fachpublikationen zu tragen.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht interessant, dass der Fachverlag Elsevier im Jahr 2005 eine Umsatzrendite von über 30% hatte. Die so erzielte Rendite ist natürlich dem Wissenschaftsbetrieb entzogen, weil sie an die Anteilseigner ausgeschüttet wird.

Wer die Erkenntnisse aus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit publiziert, der macht das sicherlich nicht wegen des jährlichen Schecks der VG Wort. Rechnet man neben den üblichen Druckkostenzuschüssen noch die jahrelange Arbeit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung hinzu, sind die meisten anderen beruflichen Tätigkeiten bedeutend lukrativer.

Wirtschaftlich ist der Effekt einer Veröffentlichung eher indirekt. Eine qualitativ gute, lange Publikationsliste erhöht die Chancen einer besser bezahlten oder interessanteren Stelle. Hierbei ist die wissenschaftliche Wahrnehmung der Publikation von entscheidender Bedeutung. Wird die wissenschaftliche Wahrnehmung aufgrund steigender Kosten und damit reduzierter Verbreitung geringer, wird der Zugang zu Veröffentlichungen reduziert – Wissenschaft wird elitär und entzieht sich einer breiten Diskussion. Wir glauben nicht, dass das auf Dauer förderlich sein kann.

Dass auch der P.E.N. Deutschland und der Börsenverein die Vorteile einer offenen geistigen Schöpfung zu nutzen wissen, sieht man an den jeweiligen Internetauftritten. Laut Netcraft nutzen beide Organisationen das Linux-Betriebssystem und den Apache Webserver. Beides sehr schöpferische Projekte, die unter einem dem Urheberrecht ähnlichen Mechanismus nicht entstanden wären, die im Gegenteil nur durch das gemeinschaftliche Zusammenarbeiten und unter Open Source entstehen konnten.

Es wäre besser gewesen, die Autoren der “Frankfurter Mahnung” hätten sich ein wenig mehr mit der Problematik auseinandergesetzt. Wir finden es unangemessen, sein moralisches Gewicht in die Wagschale zu werfen, wenn die Argumentation derart oberflächlich ist. Am Ende hinterläßt derart platte Lobbyarbeit einen sehr schalen Nachgeschmack.

Links
Frankfurter Mahnung
Heise online
Archivalia
Das Literatur-Café
Open Access News
Der Schockwellenreiter
Institut für Urheber- und Medienrecht
irights.info
Luxcommons