The Art of the Archive

Kunst aus dem Archiv des Los Angeles Police Department zeigt die Ausstellung The Art of the Archive in Zürich. Zu sehen sind kriminalistische Dokumentaraufnahmen der Identifikation und Beweisaufnahme, die hier erstmals unter künstlerischen Gesichtspunkten beleuchtet werden.
(Bericht in Fotografie-Forum)

The Art of the Archive
Fotografien aus dem Archiv des Los Angeles Police Department
15.07.-18.09.2005
Kunsthaus Zürich

Sammlung Hoffmann

Die Bilddatenbank der Bayrischen Staatsbibliothek mit dem Archiv Hoffmann behandelt eine Rezension bei H-Soz-u-Kult. Etwas knapp geraten in dieser Besprechung allerdings die eigentlichen Inhalte der Datenbank. Zur Sammlung Heinrich Hoffmanns wären einige Worte zu deren Inhalten hilfreich gewesen, noch weniger helfen für Recherchen allerdings die Beschreibung von Design und Benutzerführung.

Neben zahlreichen Personenaufnahmen Hitlers und seiner Umgebung enthält das Archiv Hoffmann etwa architekturhistorisch interessante Aufnahmen von den Bauaktivitäten der Nationalsozialisten am Münchner Königsplatz, die Entstehung von Führerbau, Verwaltungsbau (Kartothek mit der Kartei der Parteimitglieder!) und Ehrentempeln bis hin zu einer 1955 entstandenen Aufnahme Hoffmanns mit spielenden Kindern auf dem Gelände der gesprengten Ehrentempel.

Interessant auch die Aufnahmen der NSDAP Reichsgeschäftsstelle in der Schellingstraße mit dem Atelier Heinrich Hoffmanns.

Mit der Suche nach „Reichsparteitag“, findet man nicht nur die bekannten Aufnahmen von 1933, sondern auch die älterer Reichtsparteitage, die für die Entwicklung propagandistischer Großveranstaltungen durchaus interessante Vergleiche bieten.
Vom Reichsparteitagsgelände gibt es Aufnahmen aus der Bauzeit, Besichtigungen der Baustelle und des Neusbaus, aber wenig echte Architekturaufnahmen, mit der Dokumentation des Geländes war vielmehr Walter Hege beauftragt worden. Von Hege stammen auch einige wenige Aufnahmen von den Ehrentempeln am Münchner Königsplatz.

Weitere Großbauten des NS-Regimes im Bildbestand sind die der Neuen Reichskanzlei in Berlin (Suche mit „RKL“!), das Haus der Deutschen Kunst, die Reichsautobahnen, Berghof (Inneneinrichtung!) und Haus Wachenfeld auf dem Obersalzberg, die Ordensburgen in Croessinsee und Sonthofen, das Reichsluftfahrtministerium, die Mangfallbrücke, das KdF-Seebad Rügen; schließlich die Bauten der Olympischen Spiele: das Olympische Dorf, das Polofeld und das Olympiastadion.

Nicht zu vergessen die Porträts der NS-Architekten: Albert Speer, Paul Ludwig Troost, Werner March.

Wer denn gleich alles auf einmal will, kann über Suche nach Sigel „65“ (Sigelliste auf der Einstiegsseite) auch alle relevanten Fotografien zum Thema Architektur in der Datenbank treffen, das sind dann allerdings mehr als 2700 Treffer.

Die Suche über die Sigelliste bietet tatsächlich den einzigen thematischen Einstieg in die Datenbank, bei dem der Benutzer nicht schon die passenden Suchbegriffe selbst mitbringen muss. Interessant etwa die Bilddokumente zu den Auslandsbeziehungen des nationalsozialistischen Deutschlands, die sich mit „01“ für Italien suchen lassen.

Ein Desiderat für weitere Forschungen: Die im Archiv Hoffmann enthaltenen älteren Aufnahmen stammen laut Sachsse, „Erziehung zum Wegsehen“, S. 394 aus Bildarchiven jüdischer Fotografen, die Hoffmann systemtaisch für seine Bildagentur aufgekauft hat. Um diesem Punkt nachzugehen bietet die Datenbank der BSB aber keinerlei Grundlage.

Zwar liefert die Suche über Ort = Berlin und nicht Künstler = Hoffmann, eine Reihe von Treffern, zu denen jedoch häufig kein Urheber bekannt ist. Aus größeren Bildarchiven finden sich in dieser Trefferliste etwa Atlantic und Scherl. An dieser Stelle wüsste man deshalb gern mehr und es rächt sich, dass keine Indizes hinterlegt sind, die dem Benutzer Orientierung bieten würden, welche Fotografen in diesem Archiv vertreten sind.

Was gibt es sonst noch zu Hoffmann?
Laut Fotografendatenbank der Piag liegen die Nutzungrechte am Bestand Hoffmann zum Teil beim Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin, ein Teil des Nachlasses befindet sich bei akg-images. Sonst nützlich auch die Seite zu Hoffmann beim Deutschen Historischen Museusm, die ihn ebenfalls unter ihren Fotografen listen.

Aspekte der zeitgenössischen Fotografie

Das Wolfsberg Arts Forum veranstaltet im Herbst eine Tagung zum Thema Aspekte der zeitgenössichen Fotografie. Die Tagung richtet sich an Kunst- und Kulturinteressierte sowie Sammler.
Besonderes Augemerk gilt dabei auch der Zwitterrolle der Fotografie zwischen Information/Dokumentation und Kunst. Aus dem Bereich der Bildarchive spricht David Laidler von Getty Images, New York.

Wolfsberg Arts Forum
7.-8. November 2005

Programm als PDF

1945 – im Blick der Fotografie

Anlässlich der deutschen Kapitulation vor 60 Jahren gibt es eine Reihe von Fotoausstellungen, die sich mit dem Jahr 1945 befassen.
Aus regionalem wie auch internationalem Blickwinkel ist die Ausstellung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster interessant, die an diesem Samstag eröffnet wird.

Zu sehen sind 320 Fotografien aus regionalen (westfälischen) und überregionalen Archiven, den großen alliierten Bildarchiven, sowie aus Museumsbesitz, die im Verlauf des Jahres 1945 entstanden sind und dabei ganz unterschiedliche Blickweisen auf die epochalen Ereignisse dieses Zeitabschnittes bieten.

Die Fotografie hat wie keine andere Bildgattung die Wahrnehmung und die Erinnerung an die Zeit von den letzten Kriegsmonaten bis zur Befreiung und zum Neuanfang geprägt.
Es geht um offizielle Bilder des Krieges, der Kapitulation und der Befreiung, aber auch um Fotos, die privat von Zeitzeugen aufgenommen wurden.

Das Jahr 1945 bedeutete nicht in allen Ländern eine zeitgleiche Zäsur. Die Französische Fotografen, wie Henri Cartier Bresson, Robert Doisneau oder Brassaï, reflektieren mit ihren stimmungsvollen Aufnahmen alltäglicher Situationen in Paris bereits die Abwesenheit des Krieges und zeigen die mit der Befreiung von der deutschen Besatzung 1944/1945 zurückgekehrte „Joie de vivre“.

Demgegenüber halten zur gleichen Zeit in den nördlichen Niederlanden die Fotografen der sogenannten „Versteckten Kamera“, wie Cas Oorthuys oder Charles Breijer, einen Hungerwinter fest, unter dem die Bevölkerung schwer zu leiden hatte.

22. Mai bis 11. September 2005
Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
in Kooperation mit dem Westfälischen Landesmedienzentrum
Domplatz 10
49149 Münster
Abbildung01

The Picture’s Image

Das ZKM in Karlsruhe veranstaltet zusammen mit der Graduiertenkolleg Bild. Körper. Medium eine Tagung zur Rolle des Bildes in den Naturwissenschaften und der Medizin
Programm

The Picture’s Image. Wissenschaftliche Visualisierung als Komposit
ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie
Lorenzstr. 19., 76135 Karlsruhe
07./ 08. Mai 2005

Fotografie als regionales Gedächtnis – Pixelprojekt Ruhrgebiet

Die Seite des Pixelprojekts Ruhrgebiet zeigt verschiedenen Positionen der Fotografie im Ruhrgebiet. Interessant ist wie Fotografie zur Identität einer Region beiträgt, wie auch die Qualität der dort enthaltenen Bilder.

Die Website ist gut strukturiert, knackig und schnell, auch wenn den Nutzer im Intro erst einmal alles um die Ohren fliegt. ;-)
Es wäre jedenfalls wünschenswert, wenn dieses Angebot im Web längerfristig Bestand hätte.

Das Projekt ist im vergangenen Jahr mit 34 Fotografen gestartet. Am 2. Mai 2005 werden die Arbeiten von 39 weiteren Fotografen freigeschaltet werden (insgesamt dann 1.719 Fotografien), verbunden mit einer Ausstellung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen.

Termin:
Ausstellungseröffnung & Freischaltung der Neuaufnahmen
2. Mai 2005, 19.30 Uhr
Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Society: zwei Ausstellungen – zwei Fotonachlässe

In zwei Ausstellung werden in Kürze Werke aus zwei bedeutenden Fotonachlässen zu sehen sein:

Der Nachlass Erich Salomons, dem herausragenden Bildjournalisten der Weimarer Republik, liegt im Wesentlichen bei der Berlinischen Galerie (Erich-Salomon-Archiv, ca. 10.000 Fotos), nachdem sein ältester Sohn sich bemüht hatte, das in der Zeit des Nationalsozialismus verstreute Archiv, wieder zusammen zu führen.

Der Nachlass der Münchner Modefotografin Regina Relang liegt beim Münchner Stadtmuseum und Modemuseum (20.000 Abzüge, sowie 80.000 Negative). Relang arbeitete seit 1937 für Vogue und machte sich einen Namen als Modefotografin, lange bevor die Modefotografie als künstlerische Ausdrucksform gewürdigt wurde.

Erich Salomon
29.04.-24.07.2005
Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur
Im Mediapark – Köln
Katalog:
Frecot, Janos (Hg.): Erich Salomon “Mit Frack und Linse durch Politik und Gesellschaft”, Photographien 1928 – 1938.

Die elegante Welt der Regina Relang
11.05.-07.08.2005
Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum
Katalog bei Hatje/Cantz

Fotografien zum Kriegsende in westfälischen Archiven

Bei meinen neuerlichen Recherchen für ein Ausstellungsprojekt zum Jahr 1945 hatte ich Gelegenheit eine ganze Reihe westfälischer Archive zu besuchen, um die dort vorhandenen Bildbestände zu sichten.

Vorweg gesagt: Die finanziellen und logistischen Ausstattung ist von Einrichtung zu Einrichtung äußerst unterschiedlich. Es gibt sehr ordentlich ausgestattete Archive, die sich klar als Service-Einrichtungen definieren (Minden und Lippstadt), aber eben auch 1-Mann-Betriebe, die – personell durchaus professionell betreut – technisch so mangelhaft ausgestattet sind, dass sie nicht einmal über ein CD-Rom-Laufwerk verfügen.

Was die Recherchemöglichkeiten anbelangt, so zeigt sich – sicherlich auch aufgrund der oben geschilderten Lage – dass die Instrumentarien in beinahe jedem Archiv andere sind. Kleine Häuser mit entsprechend wenig Bildmaterial haben häufig nur eine einfache thematische Klassifikation, nach der die Fotos aufgestellt sind und in der ohne weitere Findmittel recherchiert werden kann.
Größere Bildsammlungen – hier ist zuerst an das Stadtarchiv Soest zu denken – haben die einzelnen Bilder auf Karteikarten verzeichnet und diese einer recht detaillierten Klassifikation entsprechend aufgestellt. Das Soester Archiv ist nicht nur wegen seiner sehr umfänglichen Bildbestände hervorzuheben, sondern auch weil die Klassifikation der Karteikarten es dem Benutzer erlaubt, sich in weiten Strecken unabhängig von der Hilfestellung durch die Mitarbeiter des Archivs durch den Bildbestand zu bewegen.

Daneben wird bereits auch EDV-gestützt katalogisiert, doch sind die Datenbanken bislang noch nicht an dem Entwicklungspunkt, dass man Benutzer damit allein arbeiten lässt.

In kommunalen Archiven mit ihren ganz heterogenen Beständen – den Aufnahmen der privaten Knipser wie denen der lokalen Fachfotografen – werden Fotografien meist nicht als Fotografien betrachtet, sondern als Dokumente zur Stadtgeschichte. Das hat häufig zur Folge, dass der Urheber einer Aufnahme oder die Frage, ob man es mit einem Originalabzug oder einem Repro handelt, nicht dokumentiert sind. In zwei Fällen hat sich erst nach weiteren Recherchen herausgestellt, dass das Foto kein Foto, sondern ein Filmstill war…

Möglicherweise haben die Ansprüche an eine solche Dokumentation zum Bild zugenommen. Am Ende ist es jedoch auch eine Frage der Zuverlässigkeit und Aussagekraft historischer Quellen.

Zum Jahr 1945 gibt es in den Archiven viel interessantes Material zu entdecken. In lokalgeschichtlichen Publikationen wurden diese Bestände in der Regel schon ausgewertet, fotohistorische Untersuchungen stehen für viele Archive aber noch aus.

Schweizerische Fotografie auf dem Lande

Ein Schweizer Fotograf, auf dessen Bildsammlung ich hier aufmerksam machen möchte: Ernst Brunner (1901-1979).
Die Sammlung befindet sich heute beim Schweizerischen Institut für Volkskunde. Die Aufnahmen sind jedoch nicht nur volkskundlich, sondern auch fotografisch sehr interessante Arbeiten. Ich bin im Rahmen meiner Arbeit zu Iganz Böckenhoff auf diesen Fotografen aufmerksam geworden.
Brunner war in den 30er Jahren über die Inventarisierung historischer Denkmäler und als Amateur zum Beruf des Bildreporters gekommen.
Lit. Peter Pfrunder: Ernst Brunner, Photographien 1937-1962, Zürich 1998.

Archiv der Gegenwart

Die „3. Triennale der Photographie“ in Hamburg steht dieses Jahr unter dem Motto „Archiv der Gegenwart“
Das Archiv als Ort der Erinnerung, der Recherche und der Kulturtheorie gerät zusehends in eine Auseinandersetzung mit dem Internet als größtem aller Datenspeicher. Die Triennale fragt deshalb nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Archivbegriffs. Begleitend gibt es verschiedene Veranstaltungen, Symposien und Vorträge.

interessante Termine:

14. April 2005: Eröffnung im Internationalen Haus der Photographie

13.-17. April 2005: Picta, Messe deutscher Bildagenturen, Nördliche Deichtorhallen (nur für Fachbesucher)

22.-23. April 2005: Symposium, „Think while you shoot. Martin Munkacsi und der moderne Bildjournalismus“, Internationales Haus der Photographie

29.-30. April 2005: Symposium „Archiv der Gegenwart“, Internationales Haus der Photographie

Für Freunde historischer Architekturfotografie sei besonders auf zwei Ausstellungen hingewiesen:

Hamburg in alten Fotografien
Helms-Museum
17. April – 14. September 2005

„Das Land der Griechen mit der Seele suchen“
Fotografien aus den Jahren zwischen 1850-1865
Jenisch Haus
30. Januar – 15. Mai 2005

weitere Infos unter:
www.phototriennale.de