Fotografien zum Kriegsende in westfälischen Archiven

Bei meinen neuerlichen Recherchen für ein Ausstellungsprojekt zum Jahr 1945 hatte ich Gelegenheit eine ganze Reihe westfälischer Archive zu besuchen, um die dort vorhandenen Bildbestände zu sichten.

Vorweg gesagt: Die finanziellen und logistischen Ausstattung ist von Einrichtung zu Einrichtung äußerst unterschiedlich. Es gibt sehr ordentlich ausgestattete Archive, die sich klar als Service-Einrichtungen definieren (Minden und Lippstadt), aber eben auch 1-Mann-Betriebe, die – personell durchaus professionell betreut – technisch so mangelhaft ausgestattet sind, dass sie nicht einmal über ein CD-Rom-Laufwerk verfügen.

Was die Recherchemöglichkeiten anbelangt, so zeigt sich – sicherlich auch aufgrund der oben geschilderten Lage – dass die Instrumentarien in beinahe jedem Archiv andere sind. Kleine Häuser mit entsprechend wenig Bildmaterial haben häufig nur eine einfache thematische Klassifikation, nach der die Fotos aufgestellt sind und in der ohne weitere Findmittel recherchiert werden kann.
Größere Bildsammlungen – hier ist zuerst an das Stadtarchiv Soest zu denken – haben die einzelnen Bilder auf Karteikarten verzeichnet und diese einer recht detaillierten Klassifikation entsprechend aufgestellt. Das Soester Archiv ist nicht nur wegen seiner sehr umfänglichen Bildbestände hervorzuheben, sondern auch weil die Klassifikation der Karteikarten es dem Benutzer erlaubt, sich in weiten Strecken unabhängig von der Hilfestellung durch die Mitarbeiter des Archivs durch den Bildbestand zu bewegen.

Daneben wird bereits auch EDV-gestützt katalogisiert, doch sind die Datenbanken bislang noch nicht an dem Entwicklungspunkt, dass man Benutzer damit allein arbeiten lässt.

In kommunalen Archiven mit ihren ganz heterogenen Beständen – den Aufnahmen der privaten Knipser wie denen der lokalen Fachfotografen – werden Fotografien meist nicht als Fotografien betrachtet, sondern als Dokumente zur Stadtgeschichte. Das hat häufig zur Folge, dass der Urheber einer Aufnahme oder die Frage, ob man es mit einem Originalabzug oder einem Repro handelt, nicht dokumentiert sind. In zwei Fällen hat sich erst nach weiteren Recherchen herausgestellt, dass das Foto kein Foto, sondern ein Filmstill war…

Möglicherweise haben die Ansprüche an eine solche Dokumentation zum Bild zugenommen. Am Ende ist es jedoch auch eine Frage der Zuverlässigkeit und Aussagekraft historischer Quellen.

Zum Jahr 1945 gibt es in den Archiven viel interessantes Material zu entdecken. In lokalgeschichtlichen Publikationen wurden diese Bestände in der Regel schon ausgewertet, fotohistorische Untersuchungen stehen für viele Archive aber noch aus.

Schweizerische Fotografie auf dem Lande

Ein Schweizer Fotograf, auf dessen Bildsammlung ich hier aufmerksam machen möchte: Ernst Brunner (1901-1979).
Die Sammlung befindet sich heute beim Schweizerischen Institut für Volkskunde. Die Aufnahmen sind jedoch nicht nur volkskundlich, sondern auch fotografisch sehr interessante Arbeiten. Ich bin im Rahmen meiner Arbeit zu Iganz Böckenhoff auf diesen Fotografen aufmerksam geworden.
Brunner war in den 30er Jahren über die Inventarisierung historischer Denkmäler und als Amateur zum Beruf des Bildreporters gekommen.
Lit. Peter Pfrunder: Ernst Brunner, Photographien 1937-1962, Zürich 1998.

Archiv der Gegenwart

Die „3. Triennale der Photographie“ in Hamburg steht dieses Jahr unter dem Motto „Archiv der Gegenwart“
Das Archiv als Ort der Erinnerung, der Recherche und der Kulturtheorie gerät zusehends in eine Auseinandersetzung mit dem Internet als größtem aller Datenspeicher. Die Triennale fragt deshalb nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Archivbegriffs. Begleitend gibt es verschiedene Veranstaltungen, Symposien und Vorträge.

interessante Termine:

14. April 2005: Eröffnung im Internationalen Haus der Photographie

13.-17. April 2005: Picta, Messe deutscher Bildagenturen, Nördliche Deichtorhallen (nur für Fachbesucher)

22.-23. April 2005: Symposium, „Think while you shoot. Martin Munkacsi und der moderne Bildjournalismus“, Internationales Haus der Photographie

29.-30. April 2005: Symposium „Archiv der Gegenwart“, Internationales Haus der Photographie

Für Freunde historischer Architekturfotografie sei besonders auf zwei Ausstellungen hingewiesen:

Hamburg in alten Fotografien
Helms-Museum
17. April – 14. September 2005

„Das Land der Griechen mit der Seele suchen“
Fotografien aus den Jahren zwischen 1850-1865
Jenisch Haus
30. Januar – 15. Mai 2005

weitere Infos unter:
www.phototriennale.de

„Die Zukunft der Fotografie(n)“

Jahresrückblick: Die Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Photographie mit dem Titel „Die Zukunft der Fotografie(n)“ war sowohl technischen als auch fotohistorischen Fragestellungen gewidmet, wobei sich das Thema der digitalen Konservierung und Archivierung von Bildern stark in der Vordergrund drängte. Dies hatte weniger mit den Vorlieben der Veranstalter zu tun, als mit der Frage der Archivierung digitaler Daten, die sich für die Archive in geradezu dramatischer Weise stellt.

Ein Archivar bemerkte: „Wir haben für unsere Stadt eine kontinuierliche bildliche Überlieferung, bis zur Einführung der digitalen Fotografie.“ Das Fehlen von Konzepten für die Übernahme und das Handling digitaler Sammlungen wurde von Seiten der Archive allseits beklagt. Dagegen kam bei der Podiumsdiskussion am ersten Abend der richtige Einwand: „Die technischen Möglichkeiten sind da, man muss Sie nur anwenden.“

Warum die Einrichtung digitaler Archive in der Praxis so viele Probleme bereitet, hat sehr verschiedenen Ursachen. Die magere finanzielle Situation ist sicherlich ein Grund, auch die eher auf die Bedürfnisse der Verwaltungen abgestellten Strukturen der EDV-Abteilungen, für die offene Dateiformate zum Zwecke der Langzeitarchivierung vermutlich eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Beim weiteren Recherchieren verstärkt sich jedoch der Eindruck, dass die Frage der Langzeitarchivierung digitaler Daten auf Seiten der Archive vielfach auf einem unzureichenden Niveau diskutiert wird: Daten gehören nicht auf CDs oder DVDs, Sicherheit und Lesbarkeit sind nur durch ständiges Migrieren und Kopieren zu lösen. Also: Server/ RAID-Arrays kaufen und die Daten möglichst schnell aus proprietären Formaten konvertieren. Jedenfalls hat die Tagung gezeigt, dass das Know-how derzeit recht ungleich verteilt ist.

Besprechungen der Tagung:

http://www.taz.de/pt/2004/11/02/a0296.nf/text.ges,1


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/1102/feuilleton/0004/index.html